Erdbeben in China
Weiter Angst vor Dammbruch

Widersprüchliche Angaben kommen auch China, ob ein Dammbruch des „Erdbeben-Sees“ in Tangjiashan in der Provinz Sichuan unmittelbar bevorsteht, oder ob die Gefahr gebannt werden konnte. Dies behauptet ein Parteisprecher, während zugleich eine Massenevakuierung angeordnet wurde.

HB PEKING. Wegen der Dammbruch-Gefahr sind rund 200 000 Menschen aus dem Erdbebengebiet der chinesischen Provinz evakuiert worden. Sie wurden in Regionen oberhalb des Tangjiashan-Sees in Sicherheit gebracht, wie die Behörden mitteilten. Rund eine Million weitere Anwohner wurden angewiesen, sich ebenfalls auf eine Evakuierung einzustellen, falls es zu einem Dammbruch kommen sollte. Damit wurde fürs Wochenende aber noch nicht gerechnet.

Nach wie vor drohen durch Erdrutsche gestaute Flüsse ganze Landstriche zu überfluten, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Die Stadt Youxian wurde nahezu vollständig geräumt. Geschäfte wurden verbarrikadiert, Wohnhäuser verlassen. Die Polizei rief mit Lautsprechern die wenigen verbliebenen Menschen auf, sich in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen. Hunderte Soldaten bauten an Dämmen und gruben Kanäle, um den Wasserdruck zu mindern.

Die Behörden bezeichneten die Aktion als Großübung für den Notfall. Damit solle vor allem die Effektivität der Kommandostruktur getestet werden, falls eine plötzliche Massenevakuierung notwendig werden sollte. Der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wurden bis Freitag schon etwa 175 000 akut gefährdete Anrainer aus ihrem Tal in höher gelegene Gebiete gebracht. Im Rahmen der Übung folgten ihnen am Samstag etwa 25 000 weitere.

Hunderte Soldaten bemühten sich weiterhin fieberhaft, Abflüsse für den Tangjiashan-See zu graben, der sich nach dem Erdbeben vom 12. Mai gebildet hat und zu bersten droht. Bis Samstag gelang ihnen die Fertigstellung eines Abflusskanals, der nach Behördenangaben zwischen Sonntag und Dienstag in Betrieb genommen werden soll. Erst danach sei eine bessere Einschätzung der Gefahrenlage möglich.

„Das Problem ist unter Kontrolle“, sagte indessen ein hochrangiger Parteivertreter aus dem Bezirk Beichuan, Han Guijun, der Nachrichtenagentur AFP. Die ersten Soldaten, die in den vergangenen Tagen den Kanal zum Umleiten der Wassermassen gegraben hatten, sind demnach bereits abgezogen worden. Die Arbeiten an dem Kanal seien abgeschlossen, sagte Han. In den kommenden drei Tagen solle der Abfluss der Wassermassen beginnen.

Der „Erdbeben-See“ in Tangjiashan ist ein durch Erdrutsche aufgestauter Fluss. Der natürlich entstandene Staudamm droht unter dem Druck der Wassermassen zu bersten. Heftige Regenfälle hatten die Überflutungsgefahr noch verstärkt. Mehr als eine Millionen Menschen wären im Falle eines Dammbruchs betroffen.

Seite 1:

Weiter Angst vor Dammbruch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%