Erdogan bekämpft PKK
Der Türkei droht ein neuer Kurdenkrieg

Lange schwiegen im Kurdenkonflikt die Waffen. Nun flammt der Krieg wieder auf – und das, obwohl die Welt auf die Kurden im Kampf gegen den IS setzt. Die Türkei gerät immer tiefer in den Strudel der Kämpfe im Nahen Osten.
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AthenKampfjets der türkischen Luftwaffe bombardierten am Montagabend mutmaßliche Stellungen der kurdischen PKK. Ziel der Angriffe sollen Lager von PKK-Kämpfern bei Daglica in der südostanatolischen Provinz Hakkari an der Grenze zum Nordirak gewesen sein. Die Bombardements hätten große Schäden angerichtet, berichtete die Zeitung „Hürriyet“ auf ihrer Internetseite. Die dort vermuteten PKK-Rebellen seien in den Vortagen an „Morden, bewaffneten Überfällen und Angriffen auf Sicherheitskräfte“ beteiligt gewesen, hieß es in Militärkreisen. Die Zeitungen „Milliyet“ und „Cumhuriyet“ berichteten außerdem von Gefechten zwischen PKK-Rebellen und der Armee in der osttürkischen Provinz Tunceli.

In der vergangenen Woche war es in zahlreichen Städten der überwiegend kurdisch besiedelten Ost- und Südostprovinzen des Landes zu schweren Unruhen gekommen. Dabei wurden mindestens 37 Menschen getötet und an die 400 verletzt. Die Proteste entzündeten sich an der Haltung der türkischen Regierung im Konflikt um die belagerte syrische Kurdenstadt Kobane. Kurdenpolitiker werfen der Regierung vor, sie sehe der Eroberung der Stadt durch die Terrormiliz des „Islamischen Staats“ (IS) untätig zu und unterstütze die Dschihadisten sogar, um Selbstverwaltungsbestrebungen der syrischen Kurden mit Blick auf die eigene kurdische Minderheit einen Riegel vorzuschieben.

Kurdische Demonstranten lieferten sich vergangene Woche nicht nur Auseinandersetzungen mit der Polizei sondern auch Straßenschlachten mit türkischen IS-Sympathisanten. Rebellen der PKK griffen Polizeiposten und Stützpunkte der paramilitärischen Gendarmerie an. In Daglica beschossen PKK-Kämpfer tagelang eine örtliche Militärbasis mit Granatwerfern. Daraufhin starteten am Montag F-16 und F-4 Kampfflugzeuge von den Luftwaffenstützpunkten Diyarbakir und Malatya, um Angriffe auf die mutmaßlichen Schlupfwinkel der Rebellen zu fliegen.

Die neue Eskalation ist ein schwerer Rückschlag für die Bemühungen um eine friedliche Lösung der Kurdenfrage in der Türkei. Seit die PKK 1984 unter ihrem Führer Abdullah Öcalan den bewaffneten Kampf für einen eigenen Kurdenstaat aufnahm, sind in dem Konflikt bei Terroranschlägen und Gefechten mit der Armee über 40.000 Menschen gestorben. Seit mehreren Jahren bemüht sich der heutige Präsident Recep Tayyip Erdogan um eine Beilegung des Konflikts. Obwohl die PKK als Terrororganisation verboten ist, verhandelt die Regierung in Ankara mindestens seit 2012 indirekt mit der PKK. Sie hat inzwischen die Forderung nach einem eigenen Staat fallengelassen und tritt für erweiterte kulturelle Rechte, wie Schulunterricht in kurdischer Sprache, und mehr regionale Selbstverwaltung ein.

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  • Es wäre besser nicht die PKK zu bekämpfen, sondern das weltweite
    Problem der ISIS. Die Türkei darf nie ein Mitglied der EU werden.

  • Herr Schulz, das ist man leider so, wenn von uns zum Krieg keiner hingeht, kommt der Krieg zu uns. Unweigerlich.

  • Genau... Fristlos aus der NATO rausgeschmissen und nie und nimmer EU- Beitrittsverhandlungen mit diesem Gesindel der türkischen Regierung ( ich spreche nicht vom gesamten türkischen Volk). So sollte man mit diesen Feiglingen und falschen D-säcken vorgehen und gar nicht "diplomatisch".

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