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28.10.2007 
Einmarsch im Irak angedroht

Erdogan bekräftigt Kampfentschlossenheit

Die türkische Regierung hat am Sonntag ihre Entschlossenheit bekräftigt, Rebellen der kurdischen Arbeiterpartei PKK auch im Nordirak militärisch zu bekämpfen. Die US-Streitkräfte erklärten unterdessen, dass sie nicht gegen PKK-Kämpfer vorgehen würden.

HB CIZRE. „Wir brauchen niemanden um Erlaubnis zu bitten“, sagte Erdogan in Izmit vor einer Menschenmenge, die ihm begeistert zuwinkte. Am Sonntag töteten türkische Soldaten 20 PKK-Kämpfer bei einem Einsatz im Osten der Türkei, wie aus Militärkreisen verlautete. Die US-Regierung drängte die Türkei unterdessen zu einem weiteren Dialog mit dem Irak über ein Vorgehen gegen die PKK-Kämpfer im Nordirak, die im Zentrum der Krise stehen.

Erdogan warf europäischen Staaten vor, die Türkei im Kampf gegen die kurdischen Rebellen im Stich zu lassen. „Wir wollen in unserem Kampf gegen den Terror unsere westlichen Freunde an unserer Seite stehen sehen“, sagte Erdogan. „Diejenigen, die über den Terrorismus hinwegsehen, arbeiten mit ihm zusammen.“ Außenminister Ali Babacan sagte am Sonntag, alle Optionen seien offen: Diplomatie und Militäreinsatz. Die Regierung in Ankara hatte Vorschläge des Irak zum Vorgehen gegen die Rebellen jüngst als unzureichend zurückgewiesen.

Nach einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anatolien sagte der türkische Präsident Abdullah Gül in einem Gespräch mit seinem iranischen Amtskollegen Mahmud Ahmadinedschad, die diplomatischen Möglichkeiten seien erschöpft und die Türkei entschlossen, die PKK im Nordirak auszumerzen. Ahmadinedschad hatte zuvor erklärt, er befürworte eine friedliche Lösung, auch wenn gegen die PKK vorgegangen werden müsse. Auch der Iran hat eine kurdische Minderheit.

In Militärkreisen hatte es am Sonntag zunächst geheißen, die türkische Armee habe einen Einsatz mit 8000 Soldaten im der östlichen Landesmitte der Türkei gestartet. Die Türkei hat bis zu 100 000 Soldaten an der Grenze zum Irak zusammengezogen und dort Kampfflugzeuge, -hubschrauber und Panzer in Stellung gebracht. Der Türkei zufolge nutzen rund 3000 PKK-Kämpfer die unwegsame Bergregion im Nordirak als Rückzugsgebiet und bereiten von dort aus Angriffe in der Türkei vor. Nach dem Tod dutzender Soldaten steht Erdogan unter hohem innenpolitischem Druck, nun gegen die PKK durchzugreifen.

Die USA fürchten eine Destabilisierung der Region und drängten am Wochenende weiter zum Dialog. „Wir möchten beide Seiten ermutigen, an den Verhandlungstisch zu kommen und dort zu bleiben“, sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Die Beziehungen zwischen der Türkei und den USA haben sich in den vergangenen Wochen stark verschlechtert. Die Türkei verlangt auch von den USA als Militärmacht im Irak mehr Initiative im Kampf gegen die kurdischen Separatisten.

Ministerpräsident Erdogan wird am 5. November zu Gesprächen mit US-Präsident George W. Bush in Washington erwartet. Türkischen Diplomaten zufolge gilt dieses Treffen als die letzte Gelegenheit für die USA und den Irak, überzeugende Pläne oder bereits konkrete Erfolge im Kampf gegen die PKK zu zeigen. Die US-Streitkräfte erklärten unterdessen jedoch, dass sie nicht gegen PKK-Kämpfer vorgehen würden. Dies sei nicht Aufgabe seiner Truppen, erklärte General Benjamin Mixon am Freitag.

Die Regierung in Bagdad hat nur wenig Einfluss auf die halbautonome Kurdenregion, die unter der Regierung von Masud Barsani steht. Barsani erklärte am Sonntag im Fernsehsender Al-Dschasira, er werde niemanden der Türkei ausliefern. Er werde aber auch nicht zulassen, dass PKK-Kämpfer die Region als Basis für Anschläge auf die Türkei nutzten.

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