Erdogan bezieht neuen Amtssitz
Ein neuer Palast für den Sultan

Aller Kritik und juristischen Einwände zum Trotz hat der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan seinen neuen Amtssitz in Ankara errichten lassen. Am Mittwoch will er einziehen. Die Opposition ruft zum Boykott auf.
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IstanbulDie USA haben ihr Weißes Haus – und die Türken ab Mittwoch einen „Weißen Palast“: Pünktlich zum türkischen Nationalfeiertag weiht Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen neuen Amtssitz in Ankara ein.

Der riesige Gebäudekomplex verfügt über modernste Sicherheitseinrichtungen. Kritiker sprechen von Prunksucht und einem staatlichen Schwarzbau, der trotz gerichtlicher Einsprüche errichtet wurde.

In der Öffentlichkeit wird Erdogans neuer Arbeitsplatz „Ak Saray“ genannt, eine Anspielung auf die von ihm gegründete Regierungspartei „Ak Parti“ – „Ak“ bedeutet soviel wie weiß oder sauber. Doch genau das ist der Prachtbau nach Ansicht von Regierungskritikern nicht.

Erdogan setzte sich mit dem Bau über Gerichtsurteile hinweg, die einen Stopp des Projektes in einem eigentlich per Bauverbot geschützten Forstgelände aus der Zeit von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk forderten. Noch immer laufen juristische Einsprüche gegen den Palast.

Erdogan lässt sich davon ebenso wenig beeindrucken wie von Vorwürfen, dass er mit Traditionen der Republik bricht. Seit Atatürks Zeiten war der „Rosa Palast“ im Ankaraner Stadtteil Cankaya der Amtssitz des Präsidenten. Doch Erdogan ist der Palast zu mickrig. Die bisherigen Repräsentativbauten des Staates seien „der türkischen Republik nicht angemessen“, sagte er vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten.

Der „Ak Saray“ mit tausend Zimmern und einer Gesamtfläche von mehreren hunderttausend Quadratmetern symbolisiert die von Erdogan propagierte Regionalmacht der „Neuen Türkei“. Osmanische und seldschukische Motive bilden das Grundmuster der Verzierungen am Prachtbau.

Das Gebäude bietet zudem abhörsichere Besprechungszimmer, atombombensichere Befehlszentralen, einen Hubschrauber-Landeplatz sowie fünf Meter hohe Zimmer. Selbst einem Raketenangriff soll das Gebäude standhalten können. Solartechnik und Regenwasseraufbereitung machen aus dem „Ak Saray“ ein hochmodernes Gebäude.

Nicht alle finden einen Besuch jedoch erstrebenswert. Die größte Oppositionspartei, die säkularistische CHP, will Erdogans Empfang zum Nationalfeiertag im „Ak Saray“ am Mittwoch boykottieren. Mehrere regierungskritische Verbände haben zu einer alternativen Republiks-Feier eingeladen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Ein neuer Palast für den Sultan
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    Erdogan bezieht seinen neuen "Weißen Palast".
    Hierbei handelt es sich um den größten Schwarzbau der Türkei.
    Er ist in einem Naturschutzgebiet entstanden, aber das hat einen Erdogan noch nie interessiert.
    Und heute, am Nationalfeiertag, will er ihn einweihen.

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