Erdogan und die AKP

Wahlsieg durch türkischen Wirtschaftsboom

Der Aufschwung beschert den Türken ein neues Selbstbewusstsein und Premier Tayyip Erdogan den fast sicheren Wahlsieg. Umfragen sehen sogar die absolute Mehrheit in Reichweite - und das hätte Konsequenzen.
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Wahlplakat für Erdogan hinter einem Denkmal für Kemal Atatürk. Quelle: dapd

Wahlplakat für Erdogan hinter einem Denkmal für Kemal Atatürk.

(Foto: dapd)

IstanbulWenn es ein Bild gibt, das die Türkei symbolisiert, dann ist es das Postkartenmotiv mit der Moschee von Ortaköy, erbaut am Ufer des Bosporus vor mehr als 150 Jahren. Einst ein armes Fischerdorf, ist Ortaköy heute zum Szeneviertel aufgestiegen – mit trendigen Clubs, schicken Restaurants und edlen Galerien.

Hinter den Minaretten der Moschee ragen die fast 150 Meter hohen Pylone der Bosporusbrücke auf, die Europa mit Asien verbindet. Die Türkei, so die Botschaft dieses Bilds, ist ein Land im Spannungsfeld zwischen Ost und West, aber vor allem ein Land im Aufbruch.

Im Vorjahr legte das türkische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um mehr als acht Prozent zu, die Wirtschaft des Landes wuchs damit fast so rasant wie in China. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich seit 2001 verdreifacht – ein Wohlstandszuwachs, der Wählerstimmen und politische Stabilität bringt.

Vor den Parlamentswahlen am Sonntag beschäftigt Analysten nur noch die Frage, wie hoch der dritte Wahlsieg von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ausfallen wird. Optimisten trauen seiner Regierungspartei AKP eine Zweidrittelmehrheit zu, mit der sie praktisch im Alleingang eine neue Verfassung durchsetzen könnte. „Die Türkei ist bereit. Ziel 2023“, hat Erdogan mit Blick auf den 100. Geburtstag der Türkischen Republik plakatieren lassen – als wäre bis dahin alles möglich.

Begleitet wird das türkische Wirtschaftswunder von tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen: Eine neue Mittelschicht fordert die etablierten kemalistischen Eliten heraus. Sie ist verwurzelt in den konservativ-religiösen Traditionen Anatoliens, repräsentiert aber zugleich den wirtschaftlichen Aufbruch des Landes. Ihre Fabriken und Handelshäuser stehen in Städten wie Konya und Kayseri, Gaziantep und Adana, den „anatolischen Tigerstädten“. Dieses neue, zunehmend wohlhabende Bürgertum will auch politisch mitreden. In Erdogan und seiner konservativ-islamischen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei hat es seinen Vertreter gefunden.

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35 Kommentare zu "Erdogan und die AKP: Wahlsieg durch türkischen Wirtschaftsboom"

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  • Sie verstehen keine Ironie?!
    Sie glauben doch nicht ernsthaft, daß die Mieten sinken.

  • So ein Artikel und dann noch im Handelsblatt. Das türkische Wirtschaftswunder ist eine Blase, mehr nicht. Türkische Unternehmen die international tätig sind, nehmen Aufträge an, bei denen sie schon bei Vertragszeichnung wissen, dass sie Millionen Euro an Verlusten einfahren. Wie werden die Verluste dieser Unternehmen ausgeglichen, damit die Bilanz am Ende des Tages wieder stimmt? Man schaue nach Griechenland. Das türkische Wirtschaftswunder ist Theater das aufgeführt wird, damit die Türkei für die EU betrittsfähig wird und die Strippenzieher im Hintergrund sind die gleichen, die auch die Bilanzen Griechenlands geschönt haben und sie sitzen an der Wall Street.

  • ...Sie haben vollkommen Recht, das mit dem Mietzins Ausfall habe ich nicht mit berücksichtigt.
    Tausende Leer stehende Läden und Mietwohnungen aber ein gutes hat es..die Mieten würden enorm sinken.

    Natürlich sind nicht alle Sozial versichert, sind ja viele Kinder darunter, aber ich weiß worauf Sie hin wollen nämlich...die Hartz IV Empfänger...habe ich Recht ? Aber auch diese Menschen haben viele Jahre in die Sozialkassen eingezahlt später durch das Amt.
    Die 700 000 Türken die jetzt mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen habe ich nicht mit berücksichtigt, weil Status unklar ist.
    Also langer Satz kurzer Sinn...ES BRINGT NICHTS, das kann Ihnen jeder Wirtschaftsfachmann sagen.

  • Na klar, alle 2,8 Millionen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wollen wir mal die Kirche, in Ihrem Fall die Moschee, im Dorfe lassen. Aber die Liste ist nicht komplett. Da währen noch die verlorenen Mieteinnahmen durch fehlende Döner-, Obst-, Hochzeitsläden, usw. Was sage ich, ganze Stadtviertel würden verwahrlosen.

  • Wenn alle Türken innerhalb von 6 Monaten die Bundesrepublik verlassen müssten, dann wehre Deutschland pleite.
    Warum ?
    1.)Bei 2,8 mio türkischen Emigranten würden die Rentenkassen ( LVA ) pleite gehen.
    2.)Der Einzelhandel genauso ( Aldi-Lidl-Penny und Co )
    3.)70.000 Unternehmen müssten ca :350 000 mitarbeiter entlassen, natürlich mehrheitlich sind es türkische Belegschaft aber auch mehrere tausende deutsche Mitarbeiter würden arbeitslos. Dem Staat würden auf einmal 30 bis 50 Mrd € Steuern fehlen, die Gemeinden müssten auf die Gewerbesteuer u.s Einnahmen verzichten.
    Und die jährliche 60 Mrd € Investitionen durch türkische Unternehmen würden dann auch ausfallen.
    4.)Es würden im Arbeitsmarkt zum Problemen kommen, weil die Millionen, die auf Anhieb nicht ersetzbar wehren, vor allem an Facharbeitern und Ingenieuren.

  • Das ist aber ein sehr "beschränkter" Radius!

  • Ein Türke endet niemals im Punkerdasein.
    Ein Türke endet wie ein Türke, entweder ist er stark und beweisst es, dann kann sich ihm keiner entgegen stellen, oder er endet im Grab.

    Das ist der innerste Zirkel in der Seele des Türken.

  • Ja, die gibt es, aber nicht hier.
    Die anderen haben sich ihrem Schicksal ihrer Gehirnlosigkeit ergeben und lassen sich aus diesem Grund von euch ausnutzen. Ihre Nachkommen sind zum Teil zu einer Protestform übergegangen. Bei euch enden solche Proteste in Suff oder früher im Punkerdasein und unsere haben sich der brutalität der Halbstarken verschrieben.

  • "... Gehirnbehaftete und Vermögende Türken ..."

    Die gibt es???

  • Der Sinn liegt darin Gehirnbehaftete und Vermögende Türken zu ermuntern, wieder in die Türkei zurück zu kehren.

    Alle anderen dürfen natürlich hier bleiben, wird ja keiner gezwungen mit zu gehen, noch.

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