Erdogan wirbt um Zustimmung zu EU-Beitritt
Ankara lockt Paris mit Großaufträgen

Mit Großaufträgen für französische Unternehmen wirbt der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan um die Unterstützung Frankreichs für den EU-Beitritt seines Landes.

cn/ebo PARIS/BRÜSSEL. Auf seiner dreitägigen Visite in Paris stellte er den Kauf von bis zu 50 Airbus-Flugzeugen beim europäischen Flugzeugkonzern EADS für die Turkish Airlines für bis zu 2 Mrd. Dollar in Aussicht. Im Elysée-Palast hieß es, die Verhandlungen über das Flugzeuggeschäft seien „fast abgeschlossen“. Erdogan zeigte auch Interesse am Kauf von französischen Kernkraftwerken.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac unterstützt im Gleichschritt mit Bundeskanzler Gerhard Schröder den EU-Beitritt der Türkei seit langem, doch ist die französische Öffentlichkeit mit großer Mehrheit dagegen. Das gesamte konservative Lager bis hin zu den Rechtsextremen vom Front National lehnt den Beitritt der Türkei – es wäre der erste eines muslimischen Landes – ab. Selbst Chiracs eigene Partei UMP, die in der Nationalversammlung über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügt, ist dagegen. Die Sozialisten machen ihre Zustimmung davon abhängig, dass die Türkei den Völkermord an den Armeniern 1915 anerkennt. In Umfragen sprechen sich bis zu 70 Prozent der Franzosen dagegen aus.

Zudem fürchtet Chirac, die geplante Volksabstimmung über die EU-Verfassung würde von den Türkei-Gegnern zu einem Plebiszit über den türkischen EU-Beitritt umgemünzt werden. Daher war er lange vor einem Referendum zurückgeschreckt und hatte sich erst in der vergangenen Woche dem öffentlichen Druck gebeugt.

Kernpunkt von Erdogans Überzeugungsstrategie ist die Wirtschaft. Knapp 100 türkische Unternehmer begleiteten den Premier nach Paris. Bei einem Treffen mit Arbeitgeberpräsident Ernest-Antoine Seillière lobte Erdogan, dass Frankreich der größte Investor aus der EU in der Türkei sei. So ist die Fabrik Oyak-Renault die viertgrößte der Türkei und der französische Autobauer der größte Exporteur des Landes. Renault-Chef Louis Schweitzer bedauerte, dass viele seiner Landsleute die Türkei noch immer so wenig kennen.

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