Erfolg für Europäer
Handelsorganisation macht gegen China Ernst

China muss sich zum ersten Mal vor der Welthandelsorganisation (WTO) wegen möglicher protektionistischer Handelsregeln verantworten. Laut Diplomaten könnte die WTO die Kläger zur Verhängung von Sanktionen gegen China ermächtigen.

GENF / PEKING. Die WTO hat Klagen der EU, der USA und Kanadas gegen die Einfuhrpraxis von Autoteilen der asiatischen Wirtschaftsmacht akzeptiert. Peking diskriminiere mit überzogenen Importzöllen die Produktion ausländischer Unternehmen wie BMW oder Daimler-Chrysler in China. Laut Diplomaten könnte die WTO die Kläger zur Verhängung von Handelssanktionen gegen China ermächtigen. Chinas Automarkt ist einer der größten der Welt. Firmen importieren Teile für mehrere Milliarden Euro pro Jahr.

Im Kern werfen die EU, die USA und Kanada den Chinesen vor, in vielen Fällen zu hohe Importabgaben auf Einzelteile für die Autoproduktion zu erheben: Wenn Firmen bestimmte Grenzen bei der Einfuhr von Kfz-Teilen überschreiten, müssen sie für die Teile die hohen Abgaben für den Import kompletter Autos entrichten. Die niedrigen Abgaben für Kfz-Teile gelten dann nicht mehr. Nach EU-Angaben erhebt China auf fertige Fahrzeuge eine Abgabe von 25 Prozent. Auf Teile müsse der Importeur nur rund zehn Prozent entrichten.

Vor allem für ausländische Hersteller, die erst seit kurzem in China fertigen und noch nicht über eine lokale Zulieferkette verfügen wie etwa Daimler-Chrysler, erhöht dies die Fertigungskosten. Auch BMW ist betroffen. Die Münchner bauen zwar schon länger in Nordchina Modelle zusammen, haben aber aus Qualitätsgründen bislang stark auf Importteile gesetzt. Volkswagen dagegen hat als erster ausländischer Hersteller in China über viele Jahre ein enges lokales Einkaufsnetz aufgebaut. Der Anteil bei den in China hergestellten VW-Modellen liegt nach VW-Angaben im Schnitt bei 70 Prozent. Firmen aus der EU produzieren rund ein Viertel aller Autos in China.

„Chinas Maßnahmen halten Autohersteller in China davon ab, importierte Teile aus den USA oder anderen fremden Ländern bei der Herstellung neuer Fahrzeuge zu benutzen“, betonte der US-Vertreter bei der WTO, David Shark. Der EU-Botschafter bei der WTO, Carlo Trojan, pflichtete den USA bei: „Der Disput berührt die fundamentalen Prinzipien der WTO.“

China betont, die Zölle verstießen nicht gegen die Regeln. Das Regime solle verhindern, dass Unternehmen fertig hergestellte Autos als Autoteile deklarieren. Damit umgingen sie die höheren Importabgaben für fertige Fahrzeuge. China kündigte im Juli an, die umstrittenen Abgaben bis Mitte Juli 2008 auszusetzen. Die Kläger gaben sich damit nicht zufrieden; sie wollen ihren Firmen Anteile im wachsenden Automobilmarkt Chinas sichern. 2005 lagen die Verkäufe bei 5,7 Mill. Autos. Für 2006 sagen Experten ein Plus von 15 bis 20 Prozent bei Produktion und Absatz vorher. Der Markt ist von einem harten Wettbewerb und einem damit verbunden Preisverfall geprägt. Auf die Teile-Zulieferer in China hat sich der Druck erhöht.

Deshalb hoffen die Firmen jetzt auf die WTO. „Die USA und die EU haben eine ziemlich starke Ausgangsposition“, urteilt Edmund Sim, Partner bei der Kanzlei White & Case in Hongkong. „Im Grundsatz bevorzugt die Regelung heimische Autoteile gegenüber importierten Teilen – und das widerspricht Chinas WTO-Vereinbarungen zum Marktzutritt.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%