Erfolg seiner Spendierfreudigkeit aber offenbar nicht sehr durchschlagend
Saddam setzt auf Beduinentaktik

Iraks Ex-Diktator Saddam Hussein greift zum letzten Mittel. Zwar jagen ihn US-Elitesoldaten mit neuen Fahndungsfotos, die den 65-Jährigen mal mit grau meliertem Drei-Tage-Bart oder wallender weißer Haarpracht zeigen, aber das scheint den meistgesuchten Flüchtling im Irak ebenso wenig anzufechten wie das ausgelobte Kopfgeld in Höhe von 25 Mill. $.

HBdpa BAGDAD. Im Gegenteil: Saddam versucht, zum Gegenschlag auszuholen und mit „Geschenken für alle“ alte Loyalitäten wieder zu erkaufen. Als ob er noch irgendetwas im Irak zu entscheiden hätte, teilte Saddam per Tonbandaufzeichnung dem „heldenhaften irakischen Volk“ seinen jüngsten Erlass mit. Darin verschenkt der gestürzte Diktator großzügig Staats- und Parteieigentum wie beispielsweise Autos. Die Iraker sollten die sichergestellten oder gestohlenen Dinge bis zu besseren Zeiten behalten oder sie verkaufen und das Geld dem Widerstand gegen die alliierten Truppen spendieren.

Der Erfolg dieser Spendierfreudigkeit scheint indessen nicht sehr durchschlagend zu sein. „Ein altes arabisches Sprichwort lautet: Der Sultan schenkt, was er nicht hat“, sagt ein ehemaliger höherer Staatsbeamter. „Saddam hat eine Beduinenmentalität. Er glaubt, er kann die Leute kaufen wie er will.“

Wie vor Beginn aller Kriege zuvor waren die knapp zwei Millionen Staatsangestellten im Irak auch im März dieses Jahres angewiesen worden, wichtige Ausrüstungen, Geräte und Unterlagen aus ihren Büros mit nach Hause zu nehmen und sicherzustellen. Frühere Mitarbeiter des Informationsministeriums erzählen, dass sie beispielsweise Computer ganz legal mitgenommen hätten. Die Büros wurden vielfach leergefegt, bevor die Plünderungswelle nach dem Fall des Saddam-Regimes über alle Staatsbehörden schwappte. Nach dem Willen Saddams sollen seine früheren Staatsdiener dieses Eigentum jetzt vor den „plündernden“ US- Truppen bewahren.

Mit großzügigen Geschenken hielt der Ex-Diktator die Günstlinge in seinem Bannkreis schon immer bei Laune. Ohne Scheu und Angst und mit einem Lächeln erzählen heute Iraker, wie Saddam Loyalitäten seiner Leute kaufte. Während des Krieges gegen den Iran (1980 bis 1988) erhielten Offiziere und Minister Land geschenkt. Berühmt sind auch die 5000 Uhren mit Saddam-Porträt auf dem Ziffernblatt, die heute unter Sammlern begehrt sind.

Als Mann mit dem ewig vollen Geldkoffer agierte Saddams inzwischen gefasster Privatsekretär Abed Hamid el Humud. Der habe jede Mimik und Gestik seines Herrn richtig zu deuten gewusst, erzählen Iraker. Wenn Saddam beispielsweise eines seiner berühmten „afje“ (gut gemacht) bei der Lobhudelei eines Künstlers fallen ließ, setzte automatisch der Geldregen ein. Bei zwei Mal „afje“ schüttete Humud kräftig nach. Ein Mitarbeiter des Militär-Industrie-Komplex, eine der Lieblingsunternehmungen des gestürzten Diktators, schwärmt noch heute von den fünf Mill. Dinar (seinerzeit 3000 $), die wie ein warmer Regen über ihn gekommen seien. Für irakische Verhältnisse war das ein Vermögen.

In weitaus höheren Größenordnungen sollen sich die Summen bewegt haben, die Saddam für die ihm loyal ergebenen Stämme im so genannten sunnitischen Dreieck spendierte. Diese Ergebenheit war für die Nummer eins so wichtig, dass er das Büro für Stammesangelegenheiten direkt an der Präsidialkanzlei ansiedelte. In den Gebieten der besonders verwöhnten Clans der Albu-Nasir, Duleimis und Jabburis ist der Widerstand gegen die alliierten Truppen heute am größten.

In Bagdad hingegen glauben die wenigsten, dass sich Saddam seine Rückkehr an die Macht so einfach erkaufen kann. „Das müsste ein Zauber sein. Saddam ist Vergangenheit“, sagt der 45-jährige Hamid Salman.

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