Erfolgreicher Schuldenrückkauf: Grünes Licht für neue Griechenland-Hilfen

Erfolgreicher Schuldenrückkauf
Grünes Licht für neue Griechenland-Hilfen

Im zweiten Anlauf hat Griechenland die Zielmarke für den Schuldenrückkauf offenbar geschafft. In einer Telefonkonferenz zeigen sich Euro-Finanzminister zufrieden. Eine Entscheidung über neue Hilfen steht kurz bevor.
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Athen/BrüsselMit einem erfolgreichen Schuldenrückkauf hat Griechenland den Weg für die nächsten milliardenschweren Hilfsgelder freigemacht. Das Programm zum Rückkauf von alten Staatsanleihen über 30 Milliarden Euro sei soweit unter Dach und Fach, berichteten EU-Diplomaten am Dienstag nach einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister. „Es sieht nicht schlecht aus“, sagte ein Diplomat. Die Voraussetzung für die Auszahlung von fast 44 Milliarden Euro Notkrediten aus dem Hilfsprogramm scheine erfüllt. Die Gelder sollen eine Pleite des Landes abwenden.

Endgültig freigeben wollen die Euro-Kassenhüter die Summe der Euro-Länder bei einem Sondertreffen an diesem Donnerstag (13.) kurz vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. An diesem Ziel halte man fest, betonten Diplomaten. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) dürfte seinen Beitrag noch in diesem Jahr an den griechischen Finanzminister überweisen. Die Euro-Finanzminister veröffentlichten entgegen erster Ankündigungen keine Erklärung nach der Beratung, bei der es lediglich um „eine Bestandsaufnahme“ gegangen sei.

Damit dürfte die monatelange Hängepartie um die Auszahlung der nächsten Hilfsgelder enden. Aus Sicht von Euro-Ländern und IWF ist Athen wieder in der Lage, seine Schulden abzutragen, ohne sein Wachstum zu gefährden.

Das Programm soll die Schuldenlast Griechenlands auf einen Schlag um rund 20 Milliarden Euro reduzieren. Athen kaufte mit etwa 10 Milliarden Euro geliehenem Geld aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF Titel im Wert von 30 Milliarden Euro zurück. Auch wenn der Staat den Haltern von Staatspapieren weniger als die Hälfte des ursprünglichen Werts bot, war dies für Investoren attraktiv, weil griechische Staatsanleihen in den vergangenen Jahren rasant an Wert verloren hatten. Nun konnten Anleger ihre Papiere zu akzeptablen Preisen loswerden.

Nach Informationen aus Athen gab es Angebote für den Rückkauf von griechischen Staatsanleihen von gut 30 Milliarden Euro. Am Dienstag um 13.00 Uhr war die zweite Frist dafür abgelaufen. Nach der ersten Frist am vergangenen Freitag fehlten überraschend etwa vier Milliarden Euro, um das Ziel zu erreichen. Griechische Banken hätten diese Lücke gefüllt, hieß es in Medienberichten.

Der Schuldenrückkauf ist Teil einer Vereinbarung der Finanzminister von Ende November. Sie sieht auch Zinssenkungen und einen Zinsaufschub für die Hilfen aus den beiden Rettungspaketen vor. Zudem sollen die europäischen Notenbanken Kursgewinne, die sie mit dem Ankauf griechischer Staatsanleihen gemacht haben, wieder an Griechenland ausschütten. Auf den Rückkauf von Staatsanleihen hatte insbesondere der IWF gepocht.

nach Fälligkeitsdatum

Volumen der griechische Anleihen

nach Fälligkeitsdatum, in Mrd. Euro


Allerdings könnte Griechenland möglicherweise etwas mehr als die von der Eurogruppe genehmigten 10,2 Milliarden Euro aus EFSF-Geldern brauchen. Das berichtete die Athener Zeitung „Kathimerini“. Denn Athen habe den Investoren bessere Angebote gemacht als erwartet, um die Anleger zu locken. Die Anleihen lagen im November im Durchschnitt bei etwa 23 Prozent des ursprünglichen Werts. Athen bot aber Rückkaufpreise zwischen 30 und 40 Prozent des ursprünglichen Werts der Anleihe an und damit deutlich mehr. Der IWF fordere daher, die Hilfssumme aufzustocken.

Um über die Runden zu bekommen, bevor neue Gelder fließen, besorgte sich Griechenland am Dienstag kurzfristig insgesamt 4,38 Milliarden Euro am Geldmarkt. Das teilte die Schuldenagentur PDMA mit. Der Zinssatz lag zwischen 3,99 und 4,38 Prozent. Athen muss sich kurzfristig immer wieder neue Gelder besorgen, bis das Geld der neuen Tranche aus Brüssel und vom IWF fließt.

 

Kommentare zu "Grünes Licht für neue Griechenland-Hilfen"

Alle Kommentare
  • @hafnersp
    "... Ich mache es ähnlich, lese im wesentlichen Schlagzeilen und den Kopfabschnitt ..."

    Auch noch den Kopfabschnitt. Du mußt Zeit haben ;-)

    Zensur? Naja, lese Dir mal Kommentare bei CNBC durch.
    Da liest man Kraftausdrücke und Diffamierungen, die (zugegebenermaßen) teilweise unter der Gürtellinie sind.
    Muß nicht sein, aber da gilt wirklich noch Meinungsfreiheit.

    In diesem Propaganda-Blatt hier werden doch schon unerwünschte Meinungen zensiert...

  • Nachtrag: kaum lobe ich die liberale Zensurpolitik, schon ist ein Zensor mit dem Schlachtermesser unterwegs und meuchelt. Grenzwertig!

  • Allein die Übeschrift sagt doch alles: nach der Rettung ist immer vor der Rettung.In 9 Monaten dürfen wir endlich abstimmen! Mein Eindruck, wenn ich die vielen Foren lese: es braut sich was zusammen.

  • @Volksverdummung
    Möglicherweise hängt das Überleben des Handelsblatt (während andere Blätter sterben) an den Kommentaren und der doch insgesamt sehr liberalen Zensurpolitik des HB (eine gewisse "Zensur" muß aus Qualitätsgründen schon sein).
    Ich mache es ähnlich, lese im wesentlichen Schlagzeilen und den Kopfabschnitt und gehe dann meist gleich zu den Kommentaren, weil man die "Propaganda" meist schon daraus ahnen kann.
    Seit der Vorstellung der Redaktion im Rahmen ihres Artikels zur Europa-Nobelpreisverleihung habe ich allerdings den Eindruck gewonnen, daß sie nicht nur (absichtliche) Propaganda betreiben, sondern tatsächlich an das meiste glauben, was sie (selbst) verfassen. Mein Eindruck war, die leben tatsächlich noch mehrheitlich im Wolkenkuckucksheim der 68er-Strömung (Mainstream heute). Die Zeit der Illusionen ist aber vorbei.

  • Nach dem Schuldenschnitt ist vor dem Schuldenschnitt. Griechenland ist auf einem guten Weg - ein Running Gag der Geschichte.

  • Merkels Schneeballsystem geht demnächst die Luft aus. Der gierige Geldadel und seine Helfershelfer auf einflussreichen Posten haben ihre Schäfchen schon längst im Trockenen. Der Dumme ist der kleine Sparer, der kleine Rentner, der kleine Arbeitnehmer. Eben diejenigen, denen schon jetzt das Einkommen nicht zum Überleben reicht, die nur als lästiges Stimmvieh missbraucht und danach entsorgt werden. Willkommen in der neuen Welt, in der von den Reichen und Mächtigen Solidarität gepredigt und unglaublicher Egoismus gelebt wird.

  • Rainer_J

    Bei dieser - nennen wir es mal Schuldenbegradigung - sitzen nicht die Griechen im Pilotensessel sondern ...
    nennen wir sie mal "Finanzmagier" der Bankenkartelle.

    Die "Griechen" sind nur noch Passagiere, wie wir auch.

    Auch die Finanzmagier sind keine Betrüger im eigentlichen Sinn (das geschah vorher), sondern sie versuchen nur den schon seit langem angerichteten Schaden auf die verschiedenen (mehr oder weniger starken) Schultern zu verteilen. Gerechtigkeit ist dabei sicher kein Kriterium und die Kriterien sind genauso sicher nicht unbedingt dem Wohl der Völker gewidment. Es geht ums Überleben des Finanzsystems und seiner Profiteure.

  • Linke Tasche, rechte Tasche, die Zaubertricks der GR. Schneeball- Systeme sind eigentlich verboten, aber wer kümmert sich in Europa noch um Gesetze? Aufrichtigkeit, Anständigkeit, Ehrlichkeit...., das sind Phrasen von gestern. Betrügereien sind an der Tagesordnung – lupenreine Demokraten.
    Und das Schöne dabei, immer verächtlich den Finger auf Putin zeigen!
    Saubande!

  • Mit dem griechischen Schuldenrückkauf stimmt irgendetwas nicht - da werden wir wieder einmal hinter die Fichte geführt. Habe Gerüchte gehört, welche davon ausgehen, dass es nicht genug Einreicher gab und der Rest der Papiere aus "öffentlichen" Beständen kommen soll (vielleicht aus der EZB, über Umwege?) Das hieße dann im Ergebnis Schuldenschnitt zu Lasten der Steuerzahler! Aber wie gesagt, bislang nur ein Gerücht.

  • Ich lese mir die gequirlte Sch.... in diesem Propaganda-Blatt schon lange nicht mehr durch.
    Warum sich über diesen Senf hier aufregen?

    Ich freue mich jeden Morgen nur auf Eure Kommentare hier.

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