Ergebnis der Abstimmung erst am Montagmorgen erwartet
Israelis schlagen mit Kampfjets in Gaza zurück

Wenige Stunden nach einem Anschlag auf jüdische Siedler im Gaza-Streifen hat die Armee am Sonntag Luftangriffe auf Gaza-Stadt geflogen. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen überschatteten die Abstimmung über den Abzug Israels aus dem Gazastreifen.

HB GAZA. Kampfhubschrauber hätten drei Geschosse abgefeuert, hieß es weiter. Dabei sei ein zwölfstöckiges Gebäude getroffen worden, in dem ein Rundfunksender der radikal-israelfeindlichen Gruppe Hamas untergebracht sei. Nach Augenzeugenberichten wurden zwei Menschen verletzt. Palästinensische Extremisten hatten zuvor am Morgen bei einem Überfall auf jüdische Siedler im Gaza-Streifen am Sonntag eine schwangere Frau und deren vier Töchter im Alter von zwei bis elf Jahren getötet. Die beiden Angreifer, die das Feuer aus unmittelbarer Nähe auf das Auto der Familie eröffneten, wurden anschließend bei einer Verfolgungsjagd von israelischen Soldaten erschossen. Zu der Tat bekannten sich die „Volkswiderstands-Komitees“, ein lockerer Zusammenschluss militanter Mitglieder der wichtigsten Palästinensergruppen.

Nach dem Anschlag auf die Siedlerfamilie erschien der Ausgang einer Urabstimmung von knapp 200 000 Mitgliedern der regierenden Likud-Partei über den einseitigen Abtrennungsplan des Ministerpräsidenten Ariel Scharon ungewiss. Politische Beobachter gingen davon aus, dass der blutige Zwischenfall Scharons Chancen auf einen Sieg weiter verringern würde. Nach letzten Umfragen vor der Abstimmung führten die Gegner des Plans mit mehreren Prozentpunkten. Nach Medienberichten war die Israelin aus dem Siedlungsblock Gusch Katif im Gazastreifen unterwegs nach Israel, um sich dort an Protesten gegen die geplante Räumung der Siedlungen zu beteiligen. Die Extremisten eröffneten nahe Kissufim das Feuer auf ihr Fahrzeug und setzten nach Augenzeugenberichten auch einen Sprengsatz gegen das Auto ein.

Scharon verurteilte den Anschlag als „grausames Verbrechen“. Er sehe die Tat als Versuch der Palästinenser, seinen Plan zur einseitigen Abtrennung von Palästinensergebieten zu verhindern. In einem letzten Appell hatte Scharon seine Parteimitglieder am Morgen eindringlich zur Unterstützung seines Plans aufgerufen. Er sprach von einer „schicksalträchtigen Abstimmung“, die entscheide, ob Israel sich vorwärts oder rückwärts bewegen werde. „Jedermann muss genau über seine Zukunft und die seiner Kinder nachdenken und für meinen Plan stimmen“, sagte Scharon.

Die Likud-Mitglieder konnten ihre Stimme von 7 bis 21 Uhr (MESZ) abgeben. Mit dem Endergebnis der Abstimmung wurde erst am frühen Montag gerechnet. Einen Rücktritt Scharons hatten Vertraute auch im Falle einer Niederlage ausgeschlossen. Scharon plant eine Räumung des Gazastreifens und einiger Siedlungen im Westjordanland. Die größten jüdischen Siedlungen im Westjordanland sollen ausgebaut werden. Er will seine Ziele notfalls auch ohne Rückhalt seiner Partei umsetzen.

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