Erhebliche Finanzlücken

IWF sorgt sich um Griechenland

Auch die Sparpolitik kann aus Sicht des IWF nicht darüber hinweg täuschen: Griechenland bleibt ein Problemfall. Die Europäer müssten sich auf weitere Hilfen einstimmen – doch die Griechen sind da anderer Ansicht.
5 Kommentare
Der scheidende griechische Finanzminister Yannis Stouranas (links) mit seinem Nachfolger Gikas Hardouvelis: Der griechische Schuldenberg schrumpft aus der Sicht des IWF zu langsam. Quelle: dpa

Der scheidende griechische Finanzminister Yannis Stouranas (links) mit seinem Nachfolger Gikas Hardouvelis: Der griechische Schuldenberg schrumpft aus der Sicht des IWF zu langsam.

(Foto: dpa)

Washington/AthenTrotz großer Reform- und Sparfortschritte wird Griechenland nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) auch in den kommenden Jahren ein Sorgenkind bleiben und seinen Schuldenberg nicht schnell genug abbauen können. Wie der IWF am Dienstag in seinem jüngsten Griechenland-Bericht erklärte, seien in den nächsten zwei Jahren noch erhebliche Finanzlücken absehbar. Das Athener Finanzministerium war anderer Ansicht: Es werde keine neuen Finanzlücken geben, hieß es am Abend in einer Stellungnahme.

Weil das Land bis 2022 hinter den Zielen zum Abbau der Verschuldung zurückbleiben werde, sei es unabdingbar, dass seine europäischen Partner wie zugesagt bereitstünden, weitere finanzielle Erleichterungen zu gewähren, meinte der IWF. Die griechische Regierung gehe allerdings davon aus, dass ihre Berechnungen sich bewahrheiten und 2015 und 2016 keine weiteren Maßnahmen notwendig sein werden, hielt das Finanzministerium in Athen dagegen. Vorrangig sei jetzt, dass die Partner ihre Versprechungen erfüllten und Griechenland selbst seinen Verpflichtungen nachkomme.

Die Eurogruppe hatte schon im November 2012 in Aussicht gestellt, den Griechen unter die Arme zu greifen – vorausgesetzt, Athen erreicht einen primären Haushaltsüberschuss (ohne Zinslasten), was die Regierung im vergangenen Jahr schaffte.

Im April hatte die EU-Kommission jedoch auch bekanntgegeben, dass das krisengeplagte Land beim Schuldenabbau die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Ziele verfehlen wird. Bis zum Jahr 2020 wird der Schuldenstand laut dem EU-Bericht auf 125 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts sinken, bis 2022 auf 112 Prozent. Ursprünglich angepeilt waren für 2022 aber „deutlich weniger als 110 Prozent“, als kritische Marke gelten 100 Prozent.

Der IWF-Analyse zufolge dürfte der Schuldenstand von 174 Prozent in diesem Jahr nur auf 117 Prozent im Jahr 2022 sinken. Für Griechenland wurde das größte Hilfspaket in der Eurozone geschnürt. Um die Staatspleite zu verhindern, hatte das Land zwei Hilfspakete mit einem Umfang von insgesamt rund 240 Milliarden Euro bekommen. Von europäischer Seite läuft das Programm Ende dieses Jahres aus.

Die Experten in Washington sehen aber auch deutliche Fortschritte, die Anlass zu vorsichtigem Optimismus gäben. Zugleich warnt der Währungsfonds vor politischer Instabilität nach den Europa-Wahlen und Reformmüdigkeit. Für 2014 geht der IWF davon aus, dass Griechenland erstmals ein geringes Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent ausweisen wird, das griechische Finanzministerium erwartete zuletzt 0,6 Prozent. Die Banken säßen noch auf einem Berg von faulen Krediten.

  • dpa
Startseite

5 Kommentare zu "Erhebliche Finanzlücken: IWF sorgt sich um Griechenland"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der IWF sorgt sich um Griechenland ? Frankreich ,Italien und Deutschland zusammen haben über 60 % der gesamten EU-Staatsverschuldung verursacht. Und diese Staatsschulden sind das einzige,und wirkliche, Problem ! Mitlerweile hat dei deutsche Staatsverschuldung auf über 6,5 Billionen Euro zugenommen. Das weit über 1200 Jahre Tilgungszeit und die kommenden rund 20 Generationen sind damit schon jetzt verschuldet !!! Aber die Politik meint : wir sind auf gutem Weg !!!!! Ganz schön blöd wer das glaubt.

  • Die EU- und Euro-Entwicklung, speziell seit ROT/GRÜN :

    ***** Zu früh - Zu viel - Zu schnell *******

    Zu leiden hat die EU - Bevölkerung, zugunsten der Lobby !

    Diese "Politik" ist Europa feindlich und wurde nicht für die Bevölkerung gestaltet, nur für wenige kranke Lobby - Gruppen !!!

    Um so länger man mit einer seriösen Entscheidung wartet,
    erhöht sich der angerichtete Schaden erheblich, den unsere "Volksvertreter" angerichtet haben.

    Dieses geheime (siehe TTIP) Europa will ich nicht !!!

    Vielfalt ist Trumpf, kein krimineller Lobbyismus !

  • Was haben denn die IWF-Spezialisten in Athen gesehen? Wer bei klarem Verstand ist weiß, dass Griechenland niemals die notwendigen Gelder für den Schuldendienst erwirtschaften wird! Wenn Griechenland nicht zum Sprengsatz für den Euro werden soll, muss es den Euro-Raum schnellstens verlassen. Es kann nicht sein, dass die Griechen nochmals 20 oder mehr Jahre durchgefüttert werden,um am Ende einsehen zu müssen, dass nichts erreicht wurde...

  • "IWF sorgt sich um Griechenland"

    Nee, dat geht doch net.

    Haben wir nicht jüngst gelesen, dass mit Griechenland alles in Ordnung ist? Langsam muss man davon ausgehen, dass die Bundesregierung die Presse nicht wahrheitsgemäß informiert.

    Also doch alles Propaganda?

    In der ehemaligen DDR hingen auch schon die Plakate über die erfolg- und segenreiche Ernte, da war das Korn noch nicht einmal ausgesät.

    Wir müssen also kritischen mit den Informationen umgehen, die uns "vorgekaut" werden. In den Augen der Politiker ist ohnehin alles "alternativlos". Betrachtet man allabendlich die besetzten Ränge im Bundestag, hat man den Eindruck, dass die überwältigende Mehrheit der Bundestagsabgeordneten sich bereits einen Zweitjob für die Zeit danach gesucht und gefunden haben.

    Gewiss sind die Vortragsjobs für 1 Stunde quasseln und 10.000 Euro und mehr zu kassieren, nicht die schlechtesten. Wären unsere Abgeordneten Hartz IV-Empfänger müssten sie beim Arbeitsamt erscheinen und hätten keine Zeit für Vorträge.

  • Überraschung!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%