Erholung beschleunigen“
Bernanke verteidigt teures Fed-Manöver

Nach weltweiter Skepsis und Kritik hat US- Notenbankchef Ben Bernanke die jüngste Milliarden-Geldspritze der Federal Reserve abermals verteidigt. Das solle nicht nur den Amerikanern helfen - sondern der ganzen Welt.
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HB WASHINGTON. Die Entscheidung zum Kauf von Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar sei mit dem Ziel gefallen, „mehr konjunkturelle Stimulanz zur Verfügung zu stellen“, sagte er nach Angaben der Agentur Bloomberg am Freitag vor Studenten der Universität Jacksonville (US-Bundesstaat Florida).

„Wir hoffen, dadurch die Erholung zu beschleunigen“, betonte Bernanke. „Eine starke amerikanische Wirtschaft ist nicht nur für die Amerikaner entscheidend, sondern für die weltweite Erholung“, betonte der Notenbankchef. „In dieser Hinsicht ist es sehr wichtig, in den Vereinigten Staaten eine schnellere Erholung zu erreichen.“

Die Arbeitslosigkeit gehe nur „sehr langsam“ zurück, begründete Bernanke den umstrittenen Schritt. Zudem sei die Inflation „sehr, sehr niedrig und möglicherweise unterhalb eines Niveaus, das auf lange Sicht für eine Volkswirtschaft gesund ist“. Zum Dollar sagte er, eine Beschleunigung des Wachstums werde die US-Währung stärken. „Wir sind uns bewusst, dass der Dollar eine spezielle Rolle in der weltweiten Wirtschaftserholung spielt“, räumte er ein.

Experten fürchten durch die Milliardenschwemme auf lange Sicht eine ausufernde Inflation sowie eine Verschärfung der weltweiten Währungsungleichgewichte. Seit Bernanke Ende August die Idee einer weiteren geldpolitischen Lockerung in die Debatte warf, verlor der Dollar etwa zum Euro mehr als zehn Prozent an Wert. Rohstoffpreise zogen deutlich an. Zugleich erleben die internationalen Aktienmärkte einen Höhenflug.

Das als Quantitative Lockerung bekannte geldpolitische Manöver, mit dem Kreditzinsen gesenkt und dadurch Nachfrage angekurbelt werden soll, war weltweit auf Kritik gestoßen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete die Maßnahme als Bruch internationaler Abmachungen. Die USA bereiteten der internationalen Finanzwelt damit zusätzliche Probleme. Die US-Notenbank habe bereits in der Vergangenheit „unendlich viel Geld in die Wirtschaft“ gepumpt, sagte Schäuble. „Die Ergebnisse sind trostlos.“

Auch China äußerte sich kritisch: „Viele Länder sind über die Auswirkungen auf ihre Volkswirtschaften besorgt“, sagte Vize- Außenminister Cui Tiankai. Der Schritt der Fed müsse erläutert werden. „Sonst könnte das internationale Vertrauen in die Erholung und das Wachstum der Weltwirtschaft Schaden erleiden“, sagte er laut Bloomberg. Cui zielte mit seiner Aussage auf Befürchtungen vor allem unter Schwellenländern, dass der Schritt der US-Notenbank deren Währungen weiter aufwertet und zu überhitzten Märkten führt.

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