Erholung
Lateinamerika koppelt sich von US-Krise ab

Der Kontinent hat die Krise überraschend schnell überstanden. Experten rechnen damit, dass Lateinamerika schon bald wieder auf den dynamischen Wachstumskurs der Vorkrisenjahre zurückfinden wird. Die Armut wird in Zukunft wohl dennoch weiter zunehmen.
  • 0

SAO PAULO. "Wenn die USA niesen, dann hat Lateinamerika eine Erkältung" - so lautet ein Sprichwort, das über Jahrzehnte in Lateinamerika wie ein Gesetz zu gelten schien. Jede Konjunkturschwäche in den USA schlug sich im südlichen Teil des Doppelkontinents als Rezession nieder. Doch diesmal gilt das nicht.

"Lateinamerika ist erstmals nicht nur weniger betroffen von einer weltweiten Wirtschaftskrise, sondern wird sich auch schneller erholen als der Durchschnitt der entwickelten Staaten", stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem gestern veröffentlichten Lateinamerika-Ausblick 2010 fest. Sie rechnet damit, dass Lateinamerika schon bald wieder auf den dynamischen Wachstumskurs der Vorkrisenjahre zurückfinden wird. Zwischen 2003 und 2007 legte die Region jährlich über fünf Prozent zu. Lateinamerika habe nur eine zyklische Abschwächung erlebt, die die langfristige Entwicklung nicht beeinträchtigen werde, urteilt die OECD.

Die Staatsfinanzen sind gesundet

Für den Venezolaner Moisés Naím von der Zeitschrift "Foreign Policy" ist es "einer der interessantesten Überraschungen der Krise, dass ihr Einfluss in Lateinamerika geringer war, als alle erwartet hatten". Noch im März hatten die meisten Investmentbanken Lateinamerika ein düsteres Rezessionsjahr vorhergesagt.

Die OECD prognostiziert, dass die Pro-Kopf-Einkommen der rund 550 Millionen Lateinamerikaner im laufenden Jahr um 3,6 Prozent sinken werden und damit etwas weniger als in den OECD-Mitgliedstaaten. 2010 sieht sie sie schon wieder um 1,6 Prozent zulegen.

Die neue Stabilität erklären die OECD-Ökonomen mit der guten Ausgangslage der lateinamerikanischen Staaten zu Beginn der Krise: Die meisten Staaten der Region haben die vergangene Dekade genutzt, um ihre Staatshaushalte zu sanieren. Sie haben die Schulden reduziert, Devisenreserven angehäuft und die Bankensysteme unter strikte Kontrollen gestellt. Auch die Zentralbanken haben Vertrauen aufgebaut, Inflationsziele definiert und flexible Wechselkurssysteme eingeführt. Keine Großbank Lateinamerikas kam in der Krise so ins Schwanken wie viele Finanzriesen aus Europa und den USA. "Viele Staaten in der Region hatten beim Ausbruch der Krise die Möglichkeiten, monetäre und fiskalische Maßnahmen umzusetzen", so die OECD.

Seite 1:

Lateinamerika koppelt sich von US-Krise ab

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Erholung: Lateinamerika koppelt sich von US-Krise ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%