Erinnerung an Nazi-Zeit
US-Abgeordneter provoziert niederländische Delegation

Bei einer Diskussion nach einem Besuch des umstrittenen Gefangenenlagers Guantanamo Bay stieß der amerikanische Kongressabgeordnete Tom Lantos eine Niederländische Delegation gleich mehrfach durch Erinnerungen an die Zeit der Nationalsozialisten vor den Kopf. Lantos war schon in der Vergangenheit durch provokante Sprüche aufgefallen.

HB WASHINGTON. Der amerikanische Kongressabgeordnete Tom Lantos hat mit NS-Vergleichen eine niederländische Parlamentsdelegation vor den Kopf gestoßen, die auf US-Einladung das umstrittene US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba besucht hatte. Bei einer Diskussion darüber in Washington habe der demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses kritisiert, dass „Europa nicht so empört über Auschwitz war wie über Guantanamo“, berichtete die Grünen-Politikerin Mariko Peters.

Bei der Erörterung des demnächst zur Verlängerung anstehenden niederländischen Afghanistan-Einsatzes sagte Lantos nach Angaben niederländischer Delegationsmitglieder ferner: „Ihr müsst uns helfen, denn wenn wir (die USA) nicht gewesen wären, wärt ihr heute eine Provinz von Nazi-Deutschland.“ Der Sozialist Harry van Bommel sagte, diese Äußerungen des in Ungarn geborenen Holocaust-Überlebenden hätten die Diskussion abgewürgt: „Es war beleidigend und kontraproduktiv.“

Lantos war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar, teilte eine Sprecherin des Abgeordneten mit. Es war nicht das erste Mal, dass Lantos europäische Politiker provozierte. Im Mai griff er Frankreich und Deutschland an und bezeichnete dabei den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als „politische Prostituierte“. Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier rügte das als „schlimme Entgleisung“.

Die Abgeordneten des Außenausschusses des niederländischen Parlaments waren vom US-Botschafter in Den Haag, Roland Arnall, zum Besuch Guantanamos und Washingtons eingeladen worden. Sie trafen in Washington auch mit dem stellvertretenden Außenminister John Negroponte und dem stellvertretenden Verteidigungsminister Gordon England zusammen.

Die Grünen-Politikerin Peters forderte die Schließung des Gefangenenlagers, in dem die USA Terrorverdächtige ohne Anklage festhalten. „Es symbolisiert für mich alles, was an diesem Krieg gegen Terror falsch ist“, sagte sie. Nur ein Mitglied, der rechtspopulistische Geert Wilders von der Freiheitspartei, äußerte Verständnis für den US-Standpunkt. „Vergessen wir nicht, das wir in einem Kriegszustand - nicht nur die USA sondern auch mein Land“ - mit islamischen Terroristen sind“, sagte er. „Ich denke, wir können von Guantanamo nur lernen.“

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