Erklärung auf Balkon

Assange wirft USA „Hexenjagd“ vor

Wikileaks-Gründer Julian Assange ist in London auf den Balkon der Botschaft Ecuadors und damit vor die Weltpresse getreten. In knappen Worten dankt er seinem neuen Gastland - und macht den USA schwere Vorwürfe.
Update: 19.08.2012 - 22:24 Uhr 23 Kommentare
Julian Assange sprach vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft. Dort hält er sich seit dem 19.Juni auf, um sich einer Auslieferung zu entziehen. Quelle: dpa

Julian Assange sprach vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft. Dort hält er sich seit dem 19.Juni auf, um sich einer Auslieferung zu entziehen.

(Foto: dpa)

LondonWikileaks-Gründer Julian Assange hat sich in einer öffentlichen Ansprache in London für die Unterstützung Ecuadors bedankt, Fragen über seine Zukunft aber offen gelassen. Assange erschien am Sonntag auf dem Balkon der Botschaft und verließ damit nicht das Hoheitsgebiet Ecuadors. Hätte er das getan, wäre er Gefahr gelaufen, von der britischen Polizei festgenommen zu werden. Der 41 Jahre Australier soll wegen mutmaßlichen Sexualdelikten nach Schweden ausgewiesen werden.

Er befürchtet seine Auslieferung in die USA, die ihm wegen der Veröffentlichung Hunderttausender diplomatischer und militärischer Geheimberichte den Prozess machen wollen, und ein mögliches Todesurteil. Assange warf den USA in seinem zehnminütigen Auftritt die Unterdrückung der Meinungsfreiheit vor. "Wie Wikileaks sind die Meinungsfreiheit und die Gesundheit unserer Gesellschaften bedroht", sagte Assange, der seinen Fall mit dem der zu zwei Jahren Haft verurteilten Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot gleichsetzte.

Anwalt Baltasar Garzon legte der Regierung in Quito eine Anrufung des Internationalen Gerichtshofs nahe. Ecuador könne in Erwägung ziehen, ob es sich an den IGH in Den Haag wende, um freies Geleit für Assange zu erstreiten, wiederholte der ehemalige spanische Ermittlungsrichter Garzon am Sonntag frühere Äußerungen. Das südamerikanische Land hat dem in seiner Londoner Botschaft verschanzten Assange Asyl gewährt, Großbritannien lehnt eine Ausreise jedoch ab.

Assange bedankte sich bei den Ländern Südamerikas und forderte die USA auf, die „Hexenjagd“ auf seine Internetplattform Wikileaks sowie auf Informanten zu beenden. Die USA seien auf bestem Wege, die Pressefreiheit weltweit zu unterdrücken, sagte Assange. Wie Wikileaks seien die Meinungsfreiheit und „die Gesundheit all unserer Gesellschaften“ bedroht.

Zugleich forderte Assange die Freilassung des mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning. "Wenn Bradley Manning getan hat, was ihm vorgeworfen wird, ist er ein Held und einer der bedeutendsten politischen Häftlinge der Welt." Dem Auswerter der US-Armee droht wegen Geheimnisverrats eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Etwa 50 Anhänger verfolgten die Rede Assanges. Sie hatten zum Teil die Nacht vor dem Botschaftsgebäude verbracht. An Absperrgitter der Polizei hefteten sie Plakate, auf denen sie ihre Unterstützung für den Wikileaks-Gründer bekundeten. Die Polizei demonstrierte mit Dutzenden Beamten Präsenz. Am Himmel kreiste ein Polizeihubschrauber.

London drängt auf Auslieferung
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23 Kommentare zu "Erklärung auf Balkon : Assange wirft USA „Hexenjagd“ vor "

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  • D "I-Pod" und "Face Book" Idioten verprasseln alle Freiheiten, fuer die die Menscheit in Tausenden Jahren kaempfte und Millionen Menschen ihr Leben Verloren.

    ..korrekt. Allerdings werden die Menschen vom "System" von klein auf zu diesen Idioten erzogen.

  • @ Harlemjump

    Das müssen Sie mir mal erklären, wie das funktionieren soll. Lächerliche Beschuldigungen gegen einen politisch Verfolgten.

  • Kleine Ergänzung aus Fefes Blog vom 18-Aug-2012 (http://blog.fefe.de/):

    Hups, wie peinlich: Befreite Australische Diplomaten-Dokumente belegen, dass die USA weiterhin scharf auf Assange ist. Die Australische Regierung hat zwar nach außen immer was von "können wir uns nicht vorstellen, dass die Amis den Assange ausgeliefert haben wollen" gefaselt, aber hinter den Kulissen schonmal bei den Amis die Details des Auslieferungsantrags angefragt, damit sie sich vorbereiten können.

    Der Link in Fefes Blog zur Quelle der Info funktioniert!

  • O-Ton 'Harlemjump'
    --------------------
    aber Hallo, geht's noch?

    Assange wird strafrechtlich verfolgt, weil er junge Frauen sexuell genötigt hat und gegen ihren Willen ungeschützten Verkehr geübt hat.
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    Wer's glaubt wird selig.

    Der Trick mit dem Zimmermädchen ist doch inzwischen ein alter Hut beim CIA.

    Aber Wenn das tatsächlich so sein sollte brauchte Schweden ja nur eine verbindliche und unmißverständliche Erklärung dahingehend anzugeben, daß es

    * Assange unter keinen Umständen an die USA ausliefern wird,

    * ihn in der Haft vor amerikanischen Mordkomplotten schützen wird,

    * und ihn nach Verbüßung seiner Haftstrafe in ein Land seiner Wahl ausreisen lassen wird.

    Wie wär`s denn 'mal damit?

  • Lach! Verhören in GB? Der Mann ist nicht Zeuge sondern sonden soll vor Gericht gestellt werden, das geht nur in Schweden. Will Mondahu uns irre führen oder hat er keine Ahnung? Offensichtlich liebt er linke Diktatoren, die die Meinungsfreiheit unterdrücken

  • So wird es von bestimmten Medien und deren Mitläufern betont.
    Tatsache ist, daß gegen A zwar ein Haftbefehl existiert, - aber überhaupt keine staatliche Anklage vorliegt.

    Die Beziehungskiste lief doch wohl nachweislich so: die beiden Feministinnen zogen ihn nacheinander ins Bett. Und lange Zeit danach einigten sie sich darauf, ihm ein Sexualdelikt anzuhängen.

    Und die USA sind auf A. stinksauer, weil er deren unsaubere Mochenschaften publik machten. Sich sauber zu verhalten, kommt ja den USA mit ihrem krankhaften Patriotismus kaum in den Sinn. Lieber von jedem Touristen alle 10 Fingerabdrücke nehmen, - es könnte ja ein Terrorist sein. Und dreimal wöchentlich in die Kirche rennen (üblicherweise Mittwochs und Sonntags 2 x) aber die Todestrafe wie in China oder dem Iran durchziehen, auch an Kranken. Klar, daß dorthin A. nicht ausgeliefert werden will.

    Schweden könnte die Vorwürfe gegen A. längst geklärt haben, eine Haftbefehl deshalb ist -das geben selbst knallharte Feministinnen zu- weit überzogen. Und -ich wiederhole mich- tatsächlich gibt es ja auch keine Anklage deshalb!

  • Aus dem Fall kann man unabhängig von Sympathie oder Antipathie zu den beteiligten Akteuren doch einige Schlüsse ziehen:

    1) die USA fühlen sich immer noch als die Herren der Welt und wollen sich ihre eingebildeten oder echten Gegner überall einfangen (oder gleich umbringen) ohne Rücksicht auf zwischenstaatliche Gepflogenheiten. Das ist wahrlich nicht neu, wird aber wiederum bestätigt.

    2) Schweden hängt den Fall viel zu hoch, kein Wunder in einem Land, in dem männliche Wesen nur mehr zweite Wahl sind. Es wäre ohne weiteres möglich und auch verhältnismäßig, den Herrn A. durch Rechtsmittelersuchen in U.K. zu befragen oder den Ermittlungsrichter dorthin zu entsenden zu einer direkten Vernehmung.

    3) Die Weigerung Schwedens, die Nichtauslieferung an die USA verbindlich zuzusagen, besagt, daß da vertrauliche Absprachen bestehen, um Herrn A. elegant an die USA zu überstellen. Die beiden Fälle, eine Beziehungskiste in Schweden und vermuteter Geheimnisverrat zulasten der USA haben rein garnichts miteinander zu tun. Warum also nicht auch getrennte juristische Verarbeitung? Schweden macht sich zum willfährigen Büttel der USA, eine Schande für dieses einst neutrale Land.

    4) Daß Equator Asyl gewährt zeigt, daß man dort feiner unterscheidet und daß die Herrentage der USA in Südamerika nun endgültig zu Ende gehen.

    5) Die Tatsache, daß Großbritannien nichts unternimmt, den Fall auf seinem Territorium zu bereinigen, Möglichkeiten gäbe es da einige, zeigt, daß auch dieses Land im Schlepptau der USA hängt und gewillt ist, dieses Spiel auf die Spitze zu treiben. Auch U.K. verliert seinen letzten Kredit in Südamerika.

    6) Die Posse zeigt, daß wikileaks tatsächlich unentbehrlich ist, ganz unabhängig von der Person A und deren Verhalten.

    Sic transit gloria mundi.


  • aber Hallo, geht's noch?

    Assange wird strafrechtlich verfolgt, weil er junge Frauen sexuell genötigt hat und gegen ihren Willen ungeschützten Verkehr geübt hat.

  • Für mich bleibt dieser Typ ein Feigling, der such sekbst über alle stellen will. Veröffentlicht geheime Dokumente, gefährdet dabei auch Menschenleben, geht im Grund kein Risiko ein, wundert sich, dass sich die USA das nicht bieten lassen und haut nun vor strafrechtlicher Verfolgung wegen eines völlig anderen Tatbestandes ab und ausgerechnet in einen Staat, in dem die Meinungsfreiheit zu einem Fremdwort wurde.

    Und ird allerorts noch als Held gefeiert. Das liegt wohl daran, dass er sich als Feind die westliche von ihm gehasste Welt ausgesucht hat - das kommt immer gut an bei Recten wie bei Linken.

    Vielleicht sollte er mal chinesische oder nordkoreanische Dokumente veröffentlichen.

  • Jetzt wird also auch Südamerika langsam in den globalen Konflikt involviert.

    Wie war das noch? Wer Terroristen versteckt oder unterstützt ist automatisch Feind der USA. Fehlt nur noch, dass Assange als Terrorist eingestuft wird. Da gibt's doch bestimmt auch ein Gesetz in den USA.

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