Erklärungsentwurf
Konflikt bricht auf Kopenhagener Klimagipfel offen aus

Am dritten Verhandlungstag des Kopenhagener Klimagipfels haben Vertreter der Entwicklungsländer gegen den von den dänischen Gastgebern vorgelegten Entwurf für ein neues Klimaabkommen aufbegehrt. Damit ist der Konflikt zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern offen ausgebrochen.
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HB KOPENHAGEN. Der sudanesische Sprecher der in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen Entwicklungsländer Lumumba Stanislaus Di-Aping warf dem dänischen Regierungschef Lars Løkke Rasmussen in der Zeitung „Berlingske Tidende“ vor, mit dem Text-Entwurf „einseitig die Interessen der reichen Länder zu schützen“. Weiter meinte er: „Der Text geht gegen alles, für das wir vor diesem Gipfel eingetreten sind.“ Konkret kritisierte der G77-Sprecher das Bestreben der Gastgeber nach einem neuen Klimaabkommen statt einer Fortschreibung des Kyoto-Abkommens von 1997. Dies hatte die ärmeren Länder von Verpflichtungen zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen freigehalten. Allerdings schloss Di-Aping auch den von vielen befürchteten Auszug der Entwicklungsländer von der Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen vorerst aus.

Der Block der Entwicklungsländer wies das aktuelle Angebot auf der Kopenhagener Konferenz als völlig unzureichend zurück. Die zehn Milliarden Dollar Anschubfinanzierung, die im aktuellen Entwurf für die Gipfelerklärung stehen, reichten nicht aus, „um genug Särge für die Menschen in den Entwicklungsländern zu kaufen“, sagte Di-Aping auf der Konferenz. Er verwies darauf, dass zur Bekämpfung der Finanzmarktkrise mehr als eine Billion Dollar bereitgestellt worden seien. Die versprochenen Anstrengungen für die Klimaschutzentwicklungshilfe falle demgegenüber ab. „Wenn die Erderwärmung das größte Risiko für die Menschheit ist, wie können Sie dann die zehn Milliarden erklären“, fragte er in Richtung von Gipfelgastgeber Dänemark.

Die dänischen Klima-Gastgeber bemühten sich um Entschärfung des Konfliktes. Es zirkulierten viele verschiedene Texte, mit denen man lediglich Verhandlungsspielräume austesten wollte, verlautete aus der Umgebung der dänischen Gipfel-Präsidentin Connie Hedegaard. Der Chef des Uno-Klimasekretariats, Yvo de Boer, nannte den im Konferenzzentrum zirkulierenden Text einen „informellen Entwurf für einen kleinen Kreis von Kommentatoren“.

Unterdessen kündigten konservative Republikaner an, sie wollten auf dem Klimagipfel Front gegen US-Präsident Barack Obama und den „wissenschaftlichen Faschismus“ machen. Der konservative Abgeordnete James Sensenbrenner erklärte nach einem Bericht des Senders Fox News, er werde zum Klimagipfel reisen und den Weltführern klarmachen, dass der US-Kongress entgegen aller Versprechungen Obamas kein Gesetz zur Reduzierung der Treibhausgase verabschieden werde, bevor der „wissenschaftliche Faschismus“ nicht ende.

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