Erkundungen im zyprischen Seegebiet Erdogan warnt Griechenland und Zypern vor Gasbohrungen

Die Türkei bleibt weiter hart und verhindert die Erdgasbohrungen im Seegebiet von Zypern. EU-Ratspräsident Tusk hat sich eingeschaltet.
Update: 13.02.2018 - 15:32 Uhr 8 Kommentare
Türkische Kriegsschiffe haben am Dienstag den vierten Tag in Folge ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff daran gehindert, ein Erkundungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen. Quelle: dpa
Zypern, Griechenland und die Türkei

Türkische Kriegsschiffe haben am Dienstag den vierten Tag in Folge ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff daran gehindert, ein Erkundungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen.

(Foto: dpa)

Istanbul/NikosiaSäbelrasseln von Zypern bis in die Ägäis: Türkische Kriegsschiffe haben am Dienstag noch immer ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff daran gehindert, ein Erkundungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen. Dort werden reiche Erdgasfelder vermutet. Warnungen der EU und Aufrufe zur Zurückhaltung zeigten zunächst keine Wirkung. Im Gegenteil: Es kam zu einem Zwischenfall in der Ägäis. Dort rammte ein türkisches Patrouillenboot ein Boot der griechischen Küstenwache.

Die EU rief Ankara auf, von jeglichen Handlungen Abstand zu nehmen, die die gute Nachbarschaft gefährden könnten, wie der Sprecher von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel sagte. Die Türkei habe die Souveränität der EU-Staaten über deren Hoheitsgewässer und deren Luftraum zu respektieren. Das gerammte und beschädigte griechische Schiff war durch Gelder der Europäischen Grenz- und Küstenwache kofinanziert worden. Dies mache den Zwischenfall auch für den europäischen Steuerzahler relevant, sagte der Sprecher.

Nach griechischen Angaben hatte das betroffene Boot 28,8 Millionen Euro gekostet. 75 Prozent davon waren aus Fonds für den Schutz der Grenzen der EU gezahlt worden. Das gerammte Boot erreichte nach Medienberichten aus eigener Kraft die griechische Insel Leros.

„Im Moment beobachten unsere Kriegsschiffe, Luftstreitkräfte und andere Sicherheitseinheiten die Entwicklungen in der Region sehr genau, mit der Befugnis, wenn nötig, jede Art von Eingriff zu unternehmen“, sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara.

Der Zwischenfall in der Ägäis ereignete sich in der Nacht zum Dienstag in der Nähe der umstrittenen Felseninseln Imia (türkisch: Kardak). Es seien Schäden am Heck des griechischen Bootes entstanden; es sei aber keines der 27 Besatzungsmitglieder verletzt worden, teilte die griechische Küstenwache mit.

Der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos bestätigte den Zwischenfall. In letzter Zeit gebe es rund um die Türkei eine allgemeine Destabilisierung. „Und das Nachbarland trägt mit seinem Verhalten nicht dazu bei, die Turbulenzen zu überwinden. Ganz im Gegenteil“, sagte er einem griechischen Nachrichtensender. Der griechische Außenminister Nikos Kotzias charakterisiert die Türkei seit Monaten als eine „nervöse Macht“.

Die Nachbarstaaten streiten sich neben der Zypern-Frage seit Jahrzehnten auch um Hoheitsrechte in der Ägäis. 1996 hatte der Streit um die unbewohnten Felseninseln die beiden Nato-Staaten an den Rand eines Krieges gebracht. Ein bewaffneter Konflikt konnte im letzten Moment nach einer diplomatischen Intervention der USA abgewendet werden. Danach bemühten sich Athen und Ankara um Entspannung.

Am Rande des Außenministertreffens der internationalen Anti-IS-Koalition in Kuwait kam der italienische Außenminister Angelino Alfano mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu zusammen. Italien erwarte, dass in dem Konflikt eine „gemeinsame Lösung im Einklang mit dem Völkerrecht und den Interessen sowohl von ENI, den Ländern in der Region als auch mit den beiden zyprischen Gemeinschaften“ gefunden werde, teilte das Außenministerium in Rom mit.

Bereits am Montag hatte der EU-Ratspräsident Donald Tusk die Türkei aufgefordert, die seit Freitag andauernde Blockade vor Zypern aufzugeben und die territoriale Souveränität dieses EU-Landes zu achten.

Ankara erkennt das EU-Land Zypern nicht an. Solange es keine Lösung der Zypern-Frage gibt, dürfen nach Ansicht Ankaras keine Forschungen ohne Zustimmung der türkischen Zyprer stattfinden. Die drittgrößte Mittelmeerinsel ist seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die gesamte Inselrepublik ist seit 2004 EU-Mitglied. Die Regierung in Nikosia kontrolliert aber nur den Südteil der Insel.

Diplomaten in Athen äußern sich besorgt: Zwischenfälle ähnlicher Art wie der vom Dienstag und die Blockade vor Zypern könnten eine größere Krise in der Region auslösen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Erkundungen im zyprischen Seegebiet - Erdogan warnt Griechenland und Zypern vor Gasbohrungen

8 Kommentare zu "Erkundungen im zyprischen Seegebiet: Erdogan warnt Griechenland und Zypern vor Gasbohrungen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Frau Lana Ebsel
    13.02.2018, 15:28 Uhr

    Dem eigenen Volks im Nachbarland? Den Russen auf der Krim und in der Ukraine hat niemand etwas getan. Die Krim hat Putin rechtswidrig besetzt. Die Abstimmung anschließend war eine Farce. Auch die Toten in der Ostukraine gehen zu seinen Lasten. Putin träumt von einem Großrussland, so wie Erdogan vom osmanischen Reich. Gegenüber beiden sollten wir massiv europäische Interessen und Werte vertreten.

  • Gerade die Deutschen haben die Osmanen, in Folge die Türken, und seit Jahrzehnten Erdogan zu dem gemacht, was er immer war. ...ihm mit wirtschaftlicher- und militärischer Hilfe, Geschenken Flügel verliehen. Merkel und Gefolge werden es auch weiter im eigenem Interesse richten. Man hat unweigerlich den Eindruck...alles läuft nach Plan

  • Embargo gegen die Türkei, weil sie in ein Nachbarland (Syrien) einfällt? ... aber nein, das geht nur bei Russland, wenn es dem eigenen Volk im Nachbarland beisteht. Das sind die angebeteten "Europäischen WERTE", die unsere lieben Gutmenschen vor sich hertragen, wie das goldene Kalb.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Leider weist dieser Artikel nur unzureichend auf die Gefahren hin die von der aktuellen Führung in der Türkei ausgehen. Worte und Vermittlungen werden nur als Schwäche ausgelegt.

    Es ist jedoch früh genug für die EU um mit einem umfassenden Embargo gegen die Türkei oder Handelsembargo Flagge zu zeigen.

  • Hallo Herr Bäcker....Offene Frage: Wieso ist Zypern türkisch...Die Bevölkerung ist meines Wissens mehrheitlich griechisch????

  • Die Türkei unter Erdogan ist auf Aggression gebürstet und will Großmacht in ihrem Umfeld werden. Nachgeben wird da nicht helfen. Hat bei Hitler auch nicht geholfen. Die Türkei wird auch als Natopartner immer unzuverlässiger.

  • Die EU-Räte werden es richten, wo ist die glorreiche EU-Marine die die Grenzen verteidigt ? Oder ist es so, daß die Loser wieder bezahlen müssen, für ein paar Löcher ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%