Ermittler pocht auf Unabhängigkeit
Blair soll zu Tod von Kelly gehört werden

Der britische Premierminister Tony Blair soll als Zeuge bei der Untersuchung zum Selbstmord des Biowaffenexperten David Kelly aussagen, der die britische Regierung in eine tiefe Krise gestürzt hatte. Zum offiziellen Beginn der Untersuchungen wies der zuständige Ermittler Lord Hutton am Freitag auf seine richterliche Unabhängigkeit hin: „Ich und nur ich allein entscheide darüber, welche Zeugen gehört werden.“

Reuters LONDON. Neben Blair soll nach dem Willen Lord Huttons auch Verteidigungsminister Geoff Hoon als Zeuge geladen werden. Kelly war laut BBC die Quelle für einen Bericht, in dem der Regierung vorgeworfen wurde, Geheimdienstberichte über Iraks Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu haben. Kritiker werfen der Regierung vor, Kelly unter Druck gesetzt zu haben, um den BBC-Bericht zu widerlegen.

Blair hatte bereits seine Bereitschaft signalisiert, in den Zeugenstand zu treten und dafür notfalls auch seinen Karibik-Urlaub im August zu unterbrechen. Der Premier hatte die Untersuchung angeordnet, nachdem die Leiche Kellys in einem Wald gefunden worden war. Der Mikrobiologe und Regierungsberater hatte wenige Tage vor seinem Tod vor einem Parlamentsausschuss sichtlich bedrückt erklärt, er sehe nicht, wie aus seinen Äußerungen ein Vorwurf gegen die Regierung habe abgeleitet werden können.

Kelly war ins Rampenlicht geraten, nachdem er seinen Vorgesetzten im Verteidigungsministerium mitgeteilt hatte, dass er eventuell die Quelle für den brisanten BBC-Bericht gewesen sei. Blair hatte nach dem Selbstmord betont, er habe das Durchsickern des Namens von Kelly nicht autorisiert. Die Federführung in dieser Frage habe vielmehr im Verteidigungsministerium gelegen.

Lord Hutton sagte, er habe von der Regierung bereits Unterlagen zu Unterhaltungen zwischen Beamten und Ministern im Verteidigungsministerium sowie anderen Ministerien erhalten. Sie datierten nach dem Zeitpunkt, an dem Kelly seine Vorgesetzen über seine Rolle in dem BBC-Bericht ins Bild gesetzt habe. Am 9. Juli sei der Name des Mikrobiologen in dieser Sache der Öffentlichkeit und somit auch Journalisten bekannt gewesen. „Ich habe die Absicht herauszufinden, wie und warum es geschah“, sagte Lord Hutton. Die Regierung hat erklärt, die Untersuchung werde sich auf die Umstände konzentrieren, die zum Tode Kellys führten. Die Opposition fordert hingegen, die Ermittlungen auch auf den Entscheidungsprozess der Regierung auszudehnen, der zum Kriegseintritt Großbritanniens an der Seite der USA im Irak-Konflikt geführt hatte.

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