Ermittlungen zu Bombay-Terror
USA verstärken Druck auf Pakistan

Die USA haben Pakistan zu einer umfassenden Kooperation bei der Aufklärung der Anschlagserie im indischen Bombay aufgefordert. „Jetzt ist es an der Zeit, dass alle zusammenarbeiten und dass dies transparent geschieht, und es ist besonders für Pakistan an der Zeit“, sagte US-Außenministerin Condoleezza Rice am Mittwoch bei einem Besuch in Neu-Delhi.

HB NEU-DELHI. Pakistan müsse rasch und entschlossen handeln und seinen Beitrag dazu leisten, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Die Regierung in Islamabad äußerte jedoch Zweifel an der indischen Darstellung, der Großteil der Attentäter stamme aus Pakistan.

Sie werde die pakistanische Regierung mit ihrer Zusage beim Wort nehmen, die Hintergründe der Anschlagserie vollständig aufzuklären, sagte Rice. Die Ministerin hatte für ihre Krisendiplomatie in Südasien eine Europa-Reise abgekürzt. Regierungskreisen in Islamabad zufolge sollte sie auch Pakistan besuchen. Dort traf US-Generalstabschef Mike Mullen zu Gesprächen mit Regierung und Militär ein, wie es in Regierungskreisen hieß. Die Gefahr neuer Spannungen zwischen den beiden atomar bewaffneten Staaten hat die US-Diplomatie auf den Plan gerufen, um eine Eskalation zu verhindern. Die Vereinigten Staaten befürchten auch eine Schwächung des Kampfs gegen die Taliban und Al-Kaida im Grenzgebiet zu Afghanistan, falls Pakistan von dort wegen der Krise Truppen abzieht.

Der indische Außenminister Pranab Mukherjee warnte, ohne entschlossenes Handeln Pakistans sei der 2004 begonnene Friedensprozess zwischen den Nachbarländern gefährdet. „Natürlich ist die Atmosphäre beeinträchtigt“, sagte er dem Fernsehsender CNN/IBN. „Jeder Inder fühlt sich verletzt. Ist das eine zuträgliche Atmosphäre?“

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari sagte dem US-Sender CNN, er habe starke Zweifel, ob der einzige überlebende Attentäter von Bombay wie von Indien behauptet Pakistaner sei. Dafür lägen ihm bislang keine belastbaren Beweise vor. Zardari wandte sich auch gegen die von Indien als Geste des guten Willens geforderte Auslieferung von 20 mutmaßlich in Pakistan lebenden Verdächtigen im Zusammenhang mit früheren Anschlägen. Wenn es Beweise gegen sie gebe, werde sein Land die Verdächtigen selbst vor Gericht stellen und bestrafen.

Im Bombay sollte am Abend eine Großdemonstration gegen die Anschläge stattfinden. Viele Bewohner werfen den Behörden vor, im Vorfeld und während der Anschläge versagt zu haben. Die Regierung von Ministerpräsident Manmohan Singh steht deshalb vor einer bis spätestens Mai anstehenden Wahl unter Druck, ihre Härte in der Sicherheitspolitik zu demonstrieren. Für kurzzeitige Aufregung sorgte in Bombay der Fund einer Tasche mit acht Kilogramm Sprengstoff am Hauptbahnhof, der ebenfalls zu den Zielen der Extremisten gehört hatte. Sie stamme noch von den Anschlägen in der vergangenen Woche, teilte die Polizei mit.

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