Ermordung von Palme: Die Erinnerung verblasst

Ermordung von Palme
Die Erinnerung verblasst

Schweden, 20 Jahre nach dem Mord an dem international sehr geschätzten, in seinem Heimatland aber immer sehr umstrittenen Politiker Olof Palme, verblasst sein Bild allmählich. Peinliche Fahndungspannen der Polizei setzten sich fest, Palmes Politik dagegen nicht.

STOCKHOLM. Am Sveavägen, der großen Einkaufsstraße in der Stockholmer Innenstadt, herrscht wie immer geschäftiges Treiben. Vielleicht sehen die Menschen an diesem Montag im Februar 2006 ein wenig fröhlicher aus – das mag an den gerade begonnenen Sportferien liegen, am strahlend blauen Himmel, der die Minusgrade und den vielen Schnee vergessen lässt, sicherlich aber trägt die Goldmedaille von Tre Kronor, Eishockey-Nationalmannschaft und sportliches National-Kleinod, zu den gelösten Gesichtern bei. Wer an diesem Montag noch keines hat, kauft sich schnell noch ein blau-gelbes Fähnchen. Immerhin kommen Tre Kronor, die Helden von Turin, am Nachmittag in die Stockholmer Innenstadt, um sich von Tausenden begeisterten Fans feiern zu lassen.

Die kleine, in den Bürgersteig am Sveavägen eingelassene Messingplatte beachtet dagegen kaum noch einer der Passanten. Viele Fußgänger treten sogar direkt auf die mittlerweile leicht angelaufene Tafel. „An dieser Stelle wurde Schwedens Staatsminister Olof Palme am 28. Februar 1986 ermordet“, steht auf der Gedenktafel. Niemand bleibt stehen. Auf Nachfrage erzählt eine Mittvierzigerin, dass sie sich noch an den Mordabend erinnern könne. „Ich war damals in einer Diskothek, als die Meldung vom Mord kam. Aber über Palme weiß ich nicht viel“, sagt sie.

Vielen Schweden geht es so. Nur noch etwas mehr als die Hälfte aller Schweden hat persönliche Erinnerungen an die Zeit, als Palme sein kleines Land aus dem Schattendasein an der europäischen Peripherie führt und es durch sein Engagement für Frieden zum internationalen Blickfang macht.

Ganz in der Nähe des Tatorts, am Gymnasium Norrmalm, konfrontiert eine Reporterin des Schwedischen Rundfunks die Schüler einer der Abschlussklassen mit der Frage: „Was fällt euch zu Olof Palme ein?“ „Ermordet, Vietnam-Krieg, Christer Pettersson, gegen Apartheid“. Die Schüler müssen nachdenken. „Palme war wohl eine große Person, geliebt von den einen, gehasst von den anderen“, sagt der 19-jährige Jörn Back. Und Jasmina Garigos erinnert sich, dass ihr Onkel von Palme als „einem der besten Politiker der Welt“ gesprochen hat.

Seite 1:

Die Erinnerung verblasst

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%