Ernährungskrise
Aufstand der Hungrigen

Die stark steigenden Lebensmittelpreise bedrohen die soziale und politische Stabilität in vielen Teilen der Welt. In mehreren Konferenzen sucht die Uno seit Anfang der Woche nach Lösungen. Sie sieht ihren Kampf gegen die Armut gefährdet.

GENF. Im lauten New York, im noblen Davos oder in Accra, der Hauptstadt des armen Ghana. Überall spickt Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon seine Reden mit einer Forderung. „2008 soll das Jahr der unteren Milliarden sein“. Die unteren Milliarden: Das sind die Verlierer der Globalisierung, jene Menschen, die ihr Dasein mit weniger als einem US-Dollar pro Tag fristen müssen. Seit Anfang der Woche spricht Ban in Bern und Genf wieder über den Kampf gegen Armut und Hunger. Mit Vertretern von Uno-Hilfsorganisationen und der Weltbank debattiert er die Nahrungskrise.

Das Schicksal meint es gerade 2008 besonders schlecht mit den unteren Milliarden: In den vergangenen neun Monaten schossen die Nahrungspreise laut der Uno-Landwirtschaftsorganisation FAO im Durchschnitt um fast die Hälfte nach oben. Reis, die Hauptspeise für Milliarden, verteuerte sich von März 2007 bis März 2008 um fast 80 Prozent.

Die Ursachen der Teuerung reichen vom rasanten Bevölkerungswachstum über Dürren bis hin zur Spekulation. Auslöser war der Wirtschaftsboom in Asien, wo immer mehr Menschen Lebensmittel wie Fleisch und Reis weltweit nachfragten. Außerdem treiben höhere Preise für Energie und Dünger die Kosten der Landwirte. Um die knappe Anbaufläche konkurrieren neuerdings auch noch Biosprit-Bauern. Ihr Getreide und Zuckerrohr soll in den Tank und nicht auf den Tisch.

Die Folge des Preisanstiegs: Hunger und Aufruhr. Immer mehr Entwicklungsländer reagieren mit Exportverboten oder Subventionen. So kündigten gestern die Regierungen der Philippinen und Malaysias Notmaßnahmen an, um die Folgen der Reisknappheit für die Ärmsten der Armen zu mindern. Die malaysische Regierung will die heimische Reisproduktion finanziell unterstützen, in Manila sollen Reiskarten ausgegeben werden, mit denen die arme Bevölkerung das Grundnahrungsmittel zur Hälfte des Marktpreises kaufen kann. Gleichzeitig will die philippinische Regierung den heimischen Reisanbau mit einem Investitionsprogramm über 750 Millionen Euro ankurbeln.

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