2 Bewertungen ***
04.07.2008 
Einbindung der Entwicklungsländer

Ernährungskrise bestimmt den G8-Gipfel

von Daniel Goffart und Finn Mayer-Kuckuk

"Members only!" Von diesem exklusiven Motto sind die G8-Staaten inzwischen weit abgerückt. Zu ihrem nächsten Gipfel kommende Woche in Japan werden zahlreiche Vertreter der Afrikanischen Union sowie die Spitzen der fünf größten Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika erwartet. Kritiker sehen indes eine übetriebene Einbindung der Entwicklungsländer.

BERLIN/TOKIO. Auch wichtige Anrainerstaaten Japans wie Südkorea, Indonesien und Australien sollen mit einbezogen werden. Mit insgesamt 22 Staats- und Regierungschefs erreicht Gastgeber Japan einen neuen Teilnehmerrekord für einen G8-Gipfel.

Kritiker sprechen bereits davon, dass Japan es mit der Einbindung der Entwicklungsländer übertrieben hat. Der neue japanische Premier Yasuo Fukuda wolle den Einfluss der Chinesen verringern, indem er möglichst viele andere Teilnehmer zusammen mit ihnen an den Tisch setzt, vermutet ein indischer Diplomat.

Dagegen wird in Berliner Regierungskreisen darauf hingewiesen, dass ohne eine breite Einbeziehung der großen Schwellenländer keine Einigung beim Klimaschutz vorstellbar sei. Dieses Thema steht für Bundeskanzlerin Angela Merkel immer noch ganz oben auf der Prioritätenliste. Allerdings soll erst Ende 2009 in Kopenhagen das zweite, große Klimaschutzabkommen nach Kyoto beschlossen werden , das konkrete Emissionsminderungen für die Zeit nach 2012 vorsieht. Es wird deshalb in Berlin schon als Erfolg bewertet, wenn es den G8-Staaten in dieser schwierigen Zwischensituation nächste Woche beim Gipfel in Japan gelingen würde, wichtige Schwellenländer wie China oder Indien zu eigenen Reduktionszielen zu bringen. Keinesfalls will man hinter die Vereinbarungen zurückfallen, die auf dem letzten Gipfel in Heiligendamm beschlossen wurden.

Die Entwicklungsländer sollen zudem durch Hilfsfonds in die Lage versetzt werden, künftig mehr in Klimaschutz zu investieren. Gastgeber Japan indes will versuchen, das für die Minderungsziele maßgebende Referenzjahr 1990 zu verändern. Während Deutschland von diesem Basisjahr enorm profitiert, weil mit dem Mauerfall auch die umweltschädliche DDR-Industrie zusammenbrach, rechnet Japan vor, dass durch Technikeinsatz schon seit den 70er-Jahren so viel Emissionen eingespart wurden, dass weitere Effiziensteigerungen schwer zu erzielen sein würden. Japan will nun zunächst auf ein Basisjahr verzichten, was aber im Kreis der G8 äußerst kritisch gesehen wird. Allerdings gibt es Hoffnungen, dass das konkrete Langfristziel, bis 2050 die Hälfte aller Emissionen einzusparen, Eingang in die Abschlusserklärung des Gipfels findet.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Finanzkrise: Nationale No...

    Finanzkrise: Nationale Notprogramme

    Der Vertrauensverlust in der internationalen Finanzwirtschaft zwingt die Politik zu umfangreichen Rettungsaktionen. In der Europäischen Union wird derzeit jedoch vor allem an nationalen Lösungen gebastelt. Wer tut was?Bildergalerie 

  • Hart umkämpfte Wahlkreise...

    Hart umkämpfte Wahlkreise für die SPD

    Die SPD wird bei der Bundestagswahl 2009 etliche Direktmandate verlieren. Betroffen davon sind vor allem Wirtschaftspolitiker und Konservative der Bundestagsfraktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Lüthke Politikberatung für das Handelsblatt.Bildergalerie 

  • Becksteins mögliche Erben...

    Becksteins mögliche Erben in Bayern

    Nach dem Wahl-Debakel und nur zwölf Monaten Amtszeit gibt sich Ministerpräsident Günther Beckstein geschlagen. Die Parteikollegen trauerten nicht lang. Bereits am Dienstagnachmittag stellten sich drei Amtsanwärter zur Verfügung. Und mit Horst Seehofer hält sich auch ei...Bildergalerie 

  • Das politische Stehaufmän...

    Das politische Stehaufmännchen

    Im vergangenen Jahr war Horst Seehofer noch Erwin Huber bei der Wahl zum Parteivorsitzenden unterlegen, nun scheint der designierte neue Parteichef endlich am Ziel. Er wolle die CSU „in ihrem Mythos, in ihrer Einmaligkeit, in ihrer Erfolgsgeschichte“ der vergangenen fü...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Der Papst und die Bankenkrise 

07.10.2008Global Reporting

Auch Papst Benedetto hat sich der Bankenkrise angenommen. Der Kollaps der Banken zeige, dass Geld "nichts" sind. "Das Wort Gottes ist alles, was bleibt". Diese Worte äußerte der Papst am Montag morgen, kurz bevor die Börsen öffneten. Einen passenderen Tag hätte er sich nicht aussuchen können. Blog


weiterMadagaskar

Im Web wächst Widerstand: www.finanzkrise 

24.09.2008Madagaskar

Kein Wunder, dass sich der Kongress weigert, das 700 Mrd. Dollar schwere Finanzpaket unbesehen durchzuwinken. In Amerikas Öffentlichkeit wächst der Widerstand gegen die horrende Rechnung für die Exzesse an der Wall Street. Blog


Handelsblatt - Themen des Tages