Erneuerbare Energien
Abu Dhabi schnappt Bonn neue Agentur weg

Deutschland hat sich große Hoffnungen gemacht, wird am Ende wahrscheinlich aber leer ausgehen: Im ägyptischen Scharm-El-Scheich fällt in dieser Woche die Entscheidung, wo die neue Welt-Agentur für erneuerbare Energien (Irena) ihren Sitz haben wird. Aller Voraussicht nach wandert das Büro für erneuerbare Energien an den Golf.

WIEN. Irena soll das prestigeträchtige Gegenstück zur Pariser Energieagentur IEA werden, die sich auf fossile Energieträger konzentriert. Bonn, Wien und Abu Dhabi bewerben sich um den Irena-Sitz, unter den 100 Mitgliedsländern haben die Araber klar die Nase vorn.

Die Initiative zur Gründung von Irena ist vor allem auf deutsches Engagement zurückgegangen. Aufgrund der starken öffentlichen Förderung von Wind- und Solarenergie gehört Deutschland zu den weltweit führenden Staaten beim Einsatz erneuerbarer Energieträger. Irena ist zwar nicht direkt den Vereinten Nationen unterstellt, wird aber wie die IEA in Paris Uno-nahen Status bekommen. Bonn hat sich große Hoffnungen auf den Irena-Sitz gemacht, weil in der Stadt am Rhein bereits eine Reihe von Uno-Organisationen ihre Heimat hat.

In der vergangenen Woche ist in Wien auf der Unido-Energiekonferenz eine Vorentscheidung zugunsten der Bewerbung vom Golf gefallen. Die Unido ist die Uno-Organisation für industrielle Entwicklung und maßgeblich in die Irena-Entscheidung eingebunden. „Abu Dhabi hat die besten Aussichten“, verlautete in Wien aus diplomatischen Kreisen der Uno. Auch im österreichischen Außenministerium in Wien gibt es keine großen Hoffnungen mehr, dass sich die eigene Hauptstadt mit ihrer Bewerbung durchsetzen kann. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) verbreitete in der vergangenen Woche noch Optimismus. Er sagte, es gebe ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“.

Die Vereinigten Arabischen Emirate bringen vor allem sehr viel Geld mit ihrem Bewerber Abu Dhabi mit. Irena soll am Golf zunächst mit einem Anfangsbudget von 150 Mio. US-Dollar ausgestattet werden. Außerdem will Abu Dhabi in einem Fonds für umweltgerechte Energieprojekte jährlich 50 Mio. Dollar bereitstellen. Bonn und Wien können nicht mit so viel Geld locken. Deutschland beruft sich auf sein Know-how bei erneuerbarer Energie, Österreich auf seine vielen internationalen Organisationen in Wien.

Abu Dhabi kann in dieser Woche mit großer internationaler Unterstützung in Scharm-El-Scheich rechnen. So hat sich etwa Tony Blair, internationaler Nahost-Gesandter, bereits für den Bewerber vom Golf ausgesprochen. Auf der Irena-Tagung in Ägypten muss auch der erste Generalsekretär für die neue Agentur gefunden werden. Die vier Bewerber für diesen Posten kommen allesamt aus EU-Ländern. Das senkt zusätzlich die Chancen für Deutschland und Österreich, auch den Sitz von Irena zu bekommen.

Zum Kandidaten-Quartett gehören der Grieche Arthourous Zervos, bekannt in Fachkreisen vor allem als Präsident des Global Wind Energy Council, Juan Ormazabal Jordana, Generaldirektor des spanischen Zentrums für erneuerbare Energien, Hans Jørgen Koch, Direktor der Dänischen Energie-Agentur, sowie die Französin Helene Pelosse, die dem Kabinett des französischen Umweltministers Jean-Louis Borloo angehört.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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