Erneut Verbrechen im Irak
US-Soldaten erneut unter Mordverdacht

Schon wieder werden US-Soldaten im Irak schwere Vergehen vorgeworfen. Mindestens vier Soldaten sollen eine Irakerin erst vergewaltigt und dann sie und drei ihrer Familienangehörigen getötet haben.

HB BEIDSCHI. Im Irak verdichtet sich der Verdacht auf ein weiteres schweres Verbrechen amerikanischer Soldaten an der Zivilbevölkerung. Mindestens vier Soldaten sollen im März südlich von Bagdad eine junge Irakerin vergewaltigt und anschließend sie und drei ihrer männlichen Familienmitglieder getötet haben, darunter vermutlich auch ein Kind. Dabei habe es sich allem Anschein nach um vorsätzlichen Mord gehandelt, sagte ein US-Militärbeamter am Samstag der Nachrichtenagentur AP. Es habe keinen vorherigen Angriff gegeben.

Dem Gewährsmann zufolge beobachteten die betroffenen Soldaten das Haus der irakischen Familie unweit von Mahmudija ungefähr eine Woche lang. Schließlich seien sie in das Gebäude eingedrungen und hätten die Vergewaltigung und die Morde begangen. Den Leichnam der Frau hätten sie mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet, um die Tat zu vertuschen.

Der Polizeichef von Mahmudija, Ihsan Abdul Rachman, erklärte, er habe bereits am 13. März Informationen erhalten, dass die betroffene irakische Familie von US-Soldaten getötet worden sei. Von Seiten der US-Streitkräfte hieß es dagegen, man habe den Tod der Iraker auf die gewaltsamen Aufstände in der Region zurückgeführt. Dem Gewährsmann zufolge kam der Fall nach der grausamen Verstümmelung von zwei entführten US-Soldaten im Raum Mahmudija Mitte Juni ans Licht. Offenbar aus Gewissensbissen heraus habe einer der mutmaßlichen Beteiligten die Ermordung der Familie gestanden.

Weitere Einzelheiten waren mit Verweis auf die noch laufenden strafrechtlichen Ermittlungen der Militärgerichtsbarkeit nicht zu erfahren. Den Verdächtigen droht im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. Vor rund zehn Tagen wurden bereits acht US-Soldaten beschuldigt, am 26. April in Hamdania westlich von Bagdad einen Iraker aus seinem Haus gezerrt und ohne Provokation erschossen zu haben. Anschließend sollen sie die Leiche so hergerichtet haben, dass es aussah, als ob es sich um einen Aufständischen gehandelt habe.

Für Aufsehen sorgten unlängst auch Berichte über mutmaßliche Massaker in Haditha und Ischaki. In Haditha nordwestlich von Bagdad sollen US-Marineinfanteristen am 19. November vergangenen Jahres willkürlich bis zu 24 irakische Zivilpersonen getötet haben, nachdem einer ihrer Kameraden bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen war. Bei einem ähnlichen Zwischenfall in Ischaki nördlich von Bagdad sollen bis zu elf Iraker getötet worden sein.

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