Erneuter Big Bang notwendig: Frischzellenkur für den Finanzplatz

Erneuter Big Bang notwendig
Frischzellenkur für den Finanzplatz

Auf Regulierer ist Alexander Hoare nicht gut zu sprechen. Der 43-jährige Chef des Bankhauses C. Hoare & Co., einer der letzten unabhängigen britischen Traditionsbanken, beschwert sich gerne über zu starre Regeln. Es gebe den Trend, „ein schwieriges Wirtschaftsklima herzustellen“, sagt er und bemüht sich, nicht wie am Stammtisch zu klingen.

LONDON. Es gebe zu viel „politische Korrektheit“, ob in seinem eigenen Land oder in Kontinentaleuropa. Die Arbeitsmärkte seien zu reguliert, vieles sei zu standardisiert. Gebe es doch einmal Reformpläne, würden sie meist zerredet. Eigentlich, schließt Hoare seinen kurzen Monolog, gebe es nur eine Lösung: „Wir brauchen einen Big Bang.“

So wie vor zwanzig Jahren. Am 1. März 1986 startete in der Londoner City etwas, was als „Großer Knall“ in die Geschichte der Finanzmärkte einging. Damals änderte London weniger als eine Hand voll Regeln für die Börse; der Financial Services Act trat in Kraft. Die Regulierer befreiten die City damit aus jahrzehntealten Fesseln. Und sie halfen, die Stadt zum Zentrum für Finanzmärkte in Europa zu entwickeln. Längst haben die Europazentralen der größten Investmentbanken ihren Sitz in der britischen Hauptstadt. Die City gilt als wichtigster Standort für den Devisenhandel. Mehr als zwei Drittel der europäischen Hedge-Fonds haben hier ihr Hauptquartier aufgeschlagen. Nirgends in Europa werden so viele Aktien gehandelt wie an der Börse in London. Heute hat der „Große Knall“ nichts von seiner Aktualität eingebüßt, denn er lässt interessante Schlussfolgerungen zu wie die, das richtige Niveau zwischen liberalen und harmonisierten Märkten zu schaffen.

Big Bang steht dabei im Gegensatz zu dem, was damals geschah. Einen großen Knall gab es nämlich nicht. Um die Änderungen zu verstehen, muss man sich die City vor zwanzig Jahren vorstellen. An der Londoner Börse handelten damals 209 Mitgliedsfirmen. Außenstehende durften maximal 30 Prozent an einer solchen Firma übernehmen, um fremden Einfluss zu beschränken. Der Handel war zwischen Brokern und Händlern (so genannte Jobber) aufgeteilt. Broker durften nur die Aufträge der Klienten annehmen und die richtigen Kurse heraussuchen. Vor dem Kauf mussten sie die Transaktion durch die Bücher der Jobber leiten. Es gab Untergrenzen für Kommissionen bei Aktienkäufen. In den 70er- und 80er-Jahren erwies sich das System nicht mehr als zeitgemäß. Es blockierte den freien Handel. Frustrierte Händler drohten, das Geschäft nach Amerika zu tragen, wo bereits ein „großer Knall“ schon früh die Märkte liberalisiert hatte. London drohte schon früh den Anschluss an die Globalisierung zu verlieren.

Die Regulierer verschrieben der Londoner Börse deshalb Jahren drei Kernänderungen; eine im März 1986, zwei im Oktober 1986. Als erstes fiel das Verbot, Mitgliederfirmen der Londoner Börse zu übernehmen. Im Herbst kappten die Aufseher die Untergrenze für Kommissionen bei Aktienkäufen. Gleichzeitig lösten sie die künstliche Grenze zwischen Brokern und Händlern.

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