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09.07.2008 
G8 und Schwellenländer einigen sich nur auf Willensbekräftigung

„Ernüchterndes Signal“ aus Toyako

Die G8-Staaten und wichtige Schwellenländer haben sich auf dem Gipfel im japanischen Toyako zwar zu einer „gemeinsamen Vision“ für Maßnahmen gegen den Klimawandel bekannt. Doch auf konkrete Ziele haben sie sich nicht verständigen können. Das sorgte für enttäuschte Reaktionen.

Japans Premierminister Yasuo Fukuda (2. v. li.) empfing am Mittwoch auf dem G8-Gipfel auch Staats- und Regierungschefs aus Südkorea, Indien und China (v. li.). Foto: apLupe

Japans Premierminister Yasuo Fukuda (2. v. li.) empfing am Mittwoch auf dem G8-Gipfel auch Staats- und Regierungschefs aus Südkorea, Indien und China (v. li.). Foto: ap

HB TOYAKO.In einer beim G8-Gipfel in Japan veröffentlichten Stellungnahme der 16 Länder hieß es am Mittwoch, es seien "tiefe Einschnitte" beim globalen Ausstoß von Treibhausgasen nötig, um die Erderwärmung zu stoppen. Die Staatengruppe drang zudem darauf, die Szenarien von UN-Experten zum Klimawandel ernsthaft zu berücksichtigen. Diese sehen Einschnitte entweder zwischen 50 und 85 oder zwischen 30 und 60 Prozent bis zum Jahr 2050 vor. Konkrete Zielmarken für eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes wurden in der gemeinsamen Erklärung nicht genannt. Die Gipfelteilnehmer bekräftigten am Mittwoch lediglich ihren Willen zur Zusammenarbeit bei Maßnahmen gegen die globale Erwärmung. In der Abschlusserklärung hielten sie fest, dass sich sich dazu "verpflichten, den Klimawandel gemäß ihrer gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung zu bekämpfen".

In dem Papier hieß es weiter, die großen Industriestaaten würden mittelfristige Reduktionsziele anstreben, während die größeren Schwellenländer dem Wachstum ihrer Emissionen gegensteuern sollten. Das US-Präsidialamt teilte mit, die 16 Staaten würden im kommenden Jahr in Italien erneut zu Gesprächen zusammenkommen. Neben den sieben führenden Industriestaaten und Russland zählen zu der Gruppe China, Indien, Südafrika, Mexiko, Brasilien, Australien, Südkorea und Indonesien. Auf diese Länder entfallen insgesamt rund 80 Prozent des weltweiten Schadstoffausstoßes.

China und Indien signalisierten einem hochrangigen Vertreter Frankreichs zufolge eineinhalb Jahre vor der Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen, dem von der G8 am Vortag ausgegebenen Ziel einer Emissionsminderung um 50 Prozent derzeit noch nicht folgen zu wollen. Die beiden asiatischen Länder hätten sich jedoch bereit gezeigt, zu einem späteren Zeitpunkt Maßnahmen zur Drosselung des Treibhausgas-Ausstoßes zu ergreifen. Ähnliche Informationen verlauteten aus Kreisen der US-Delegation.

Die G8-Staaten hatten sich am Dienstag zu dem Ziel bekannt, bis Ende 2009 ein internationales Abkommen auf den Weg zu bringen, das die Schadstoffminderung um mindestens die Hälfte bis 2050 vorsieht. Dabei hatten sie deutlich gemacht, dass die Industrieländer den Löwenanteil der Emissionsminderung leisten müssten. Ohne bedeutsame Beiträge auch der großen Schwellenländer wie China und Indien könne das Problem aber nicht gelöst werden.

Der Leiter des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, bezeichnete die Vereinbarung von Toyako als ein ernüchterndes Signal. Statt einer "Vision, die in 42 Jahren zum Tragen kommt", wäre es wichtig gewesen, sich auf mittelfristige Ziele bis 2020 zu einigen, sagte Steiner im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Zur Debatte über eine verstärkte Nutzung der Atomkraft erklärte Steiner, dies könne nicht die alleinige Lösung sein. Vielversprechender seien die Verbesserung der Energieeffizienz und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien.

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