Ersatzstrafe
Berlusconi will Behindertenzentrum gründen

Zu alt fürs Gefängnis: Die italienische Justiz muss über eine Ersatzstrafe für den Ex-Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi entscheiden. Seine Anwälte überraschen stets mit neuen Vorschlägen.
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MailandUnmittelbar vor Beginn der Gerichtsanhörung über die Ersatzstrafe für den wegen Steuerbetrugs verurteilten Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben italienische Medien am Donnerstag neue Vorschläge seiner Anwälte enthüllt. Nach Informationen der Zeitungen „La Stampa“ und „Corriere della Sera“ will Berlusconi Schirmherr eines Behindertenzentrums werden, das er nahe seiner Villa in Arcore bei Mailand selbst gründen wolle.

Der 77-Jährige könnte auch einen Tag pro Woche in dem Zentrum arbeiten und den Behinderten „neue Impulse“ bieten, argumentierten die Anwälte laut „La Stampa“ für ihre Idee.

Der konservative Politiker und Unternehmer war in einer Affäre um seinen Medienkonzern Mediaset zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Aufgrund seines Alters muss der 77-Jährige die Strafe nicht im Gefängnis verbüßen, sondern kann sie in Form von Hausarrest oder Sozialarbeit ableisten. Am Donnerstagnachmittag sollte dazu eine Anhörung vor dem zuständigen Mailänder Gericht stattfinden, die Entscheidung dürfte kommende Woche fallen.

Es wird erwartet, dass die Richter Berlusconi die gewünschte Verbüßung der Strafe in Form von Sozialarbeit nicht verweigern werden. Einer politischen Betätigung des Vorsitzenden der Oppositionspartei Forza Italia wären aber auch in diesem Fall enge Grenzen gesetzt. Zwar ist Berlusconi von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und darf selbst nicht kandidieren, doch hat er als Parteichef nach wie vor politischen Einfluss.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Was soll diese typisch italienische Komödie?
    B. ist m.W. zu 4 Jahren verurteilt worden. Mag sein, daß er für's Gefängnis zu alt ist, und sein immenser Reichtum könnte dort tatsächlich problematisch werden.
    Es geht jedoch nicht an, daß er die Alternative "Sozialarbeit" für politische Agitation und Selbstdarstellung benutzt und die Strafe so de fakto in's Lächerliche oder gar noch politischen Nutzen zieht. Die Gründung des Behinderungszentrum geht in genau diese Richtung, ebenso die Masche, auf einmal in "Tierrettung" zu machen (Hunde und Katzen in Not dürften diesem eitlen Geck völlig am A**** (T'schuldigung!) vorbei gehen.

    Vernünftige Lösung: Hausarrest mit GPS-Fußfessel, kein Telefon, kein Handy, kein Internet, kein Party-Party, kein Bunga-Bunga, genau wie im Knast. Ende der narzistischen Selbstdarstellung! Und genau das, das jahrelange Verschwinden aus der öffentlichen Wahrnehmung, dürfte eine Strafe für B. sein, die ihn wirklich hart trifft.

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