Erschließung neuer Ölvorkommen
Brasilien steckt Milliarden in die Ölindustrie

Brasilien schreibt zum Ausbau seiner Ölförderung milliardenschwere Aufträge aus. Dabei geht es vor allem um Gerät für Tiefwasserbohrungen, Ölplattformen sowie Tanker- und Versorgungsschiffe. Mit der Ausrüstung will der staatliche Energiekonzern Petrobras die neu entdeckten Ölvorkommen im Atlantik erforschen und erschließen.

SÃO PAULO. Zwar sind die geplanten Investitionen bisher nur zum Teil bekannt, doch Präsidialamtsleiterin Dilma Rousseff hatte das gesamte Auftragsvolumen kürzlich auf bis zu 66 Mrd. Dollar beziffert. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verkündete am Montag, dass Petrobras insgesamt 146 Schiffe bestellen werde. In einem ersten Schritt sollen bis 2015 zwei Supertanker und 23 kleinere Tankschiffe für insgesamt rund fünf Mrd. Dollar beschafft werden. Weitere 28 Mrd. Dollar will Petrobras bis 2017 in 40 Bohrschiffe und Plattformen investieren, die die Ölvorkommen in 6 000 Meter unter der Wasseroberfläche anbohren können.

Noch ist unklar, welche der Aufträge ins Ausland vergeben und welche bei brasilianischen Werften bestellt werden. „Wir wollen unser Öl nutzen, um die Industrialisierung unseres Landes voranzutreiben“, erklärte Lula in Rio de Janeiro. Doch alle brasilianischen Werften sind über Jahre mit Aufträgen ausgelastet. Außerdem sind wenige Werften im Land überhaupt in der Lage, das komplexe Tiefseebohrgerät zu liefern. Ausländische Anbieter mit Produktionsstätten in Brasilien könnten bei der Auftragsvergabe – wie schon bei vorherigen Ausschreibungen – bevorzugt werden. Der nationale Fertigungsanteil der Zulieferungen würde dann über die Laufzeit der Aufträge sukzessive erhöht. Brasiliens Regierung hat schon mehrfach angekündigt, dass sie die Erschließung der Ölvorkommen nutzen will, um Arbeitsplätze zu schaffen und mittelfristig eine konkurrenzfähige Zuliefererindustrie für Offshore-Technologie aufzubauen. Derzeit sitzen die meisten Anbieter von Plattformen in Asien und Norwegen.

Petrobras hat zuletzt mehrere große Ölfunde am Meeresboden gemeldet. Das im November entdeckte Tupi-Feld soll eine Kapazität von bis zu acht Mrd. Fass haben. Ein im April gemeldetes Ölfeld in der Nähe soll gar 33 Mrd. Fass umfassen. Auch im Golf von Mexiko hat Petrobras nach eigenen Angaben größere Vorkommen gefunden.

Die Förderung in großen Wassertiefen ist technisch anspruchsvoll und teuer. Petrobras besitzt eigenes Know-how in der Tiefseeförderung, weil fast die gesamten Ölvorkommen Brasiliens im offenen Meer liegen. Die steigenden Ölpreise lassen die Nutzung der Tiefseevorräte jetzt rentabel werden. Der Preis für die spezialisierten Bohranlagen und Spezialschiffe ist zuletzt aber ebenfalls stark gestiegen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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