Erschreckende Bilder aus Ägypten
Ein Fotograf filmt, wie er erschossen wird

Der Journalist Ahmed Samir Assem wollte die Gewalt des ägyptischen Militärs gegenüber Kindern und Frauen beweisen. Als er einen Mann filmt, der auf Demonstranten schießt, legt dieser plötzlich auf ihn an.
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KairoDer Mann in beiger Militäruniform hockt hinter einer Dachbrüstung, von unten schallen protestierende Topfschläge und entsetzte Schreie der Demonstranten herauf. Mehrmals taucht er mit seinem Sturmgewehr aus der Deckung auf, zielt und drückt ab. Gefilmt wird er dabei vom Hochhaus gegenüber von einem jungen Journalisten der Muslimbrüder.

Dann plötzlich entdeckt der Scharfschütze den Fotografen, dreht sein Gewehr in dessen Richtung und schießt – das Video bricht ab. Ahmed Samir Assem, auch bekannt unter dem Namen Ahmed Assem El-Senousy, wird von der Kugel in den Kopf getroffen. Er hat seinen eigenen Tod gefilmt, berichten Angehörige. Eine Stunde später soll ein Unbekannter offenbar Assems blutverschmierte Kamera und das Mobiltelefon in dem Medienzelt nahe der Rabaa al-Adawiya Moschee abgeliefert haben, wo die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi seit Tagen campieren. Die Darstellung konnte nicht unabhängig überprüft werden

---Achtung: Dieses Video zeigt verstörende Bilder.---



Der 26-Jährige wäre dann eines von 51 Opfern, die Anfang der Woche bei dem Blutbad von Militär und Polizei an Muslimbrüdern ihr Leben verloren. 435 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben von Augenzeugen hatten etwa 1.000 Protestierer, die seit zwei Tagen vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garden einen Sitzstreik veranstalteten, gerade ihr Morgengebet beendet, als der Horror begann. Am Ende war jeder zweite aus dem Menge tot oder verletzt.

Was die Gewalt auslöste, ist bislang ungeklärt und umstritten. Die Demonstranten behaupten, sie hätten friedlich gebetet, als plötzlich der Einsatz von Tränengas und das wilde Schießen begannen. Die Armee wiederum erklärte, Terrorkommandos hätten versucht, ihre Kaserne zu stürmen. Andere Zeugen sprechen von bewaffneten Motorrad-Kommandos, die im Tränengasnebel um sich feuernd in die Versammlung hineingefahren seien. Das erst hätte den Waffeneinsatz der Armee ausgelöst, den die Menschenrechtsorganisation Amnesty International jetzt als „exzessiv“ anprangerte.

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Amnesty dokumentiert Übergriffe auf Frauen und Kinder

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  • Sorry, glaubt nicht immer alles, was ihr momentan von Ägypten zu sehen bekommt. Hier sind MB als Militär und Polizei unterwegs um so mehr Sympathien zu bekommen und genau mit solchen Videos. Also Vorsicht !

  • Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, was genau passiert ist. Grundsätzlich muß man heutzutage leider sagen: Traue keinem Bild, daß du nicht selber manipuliert hast. Es kann wahr sein, muß es aber nicht. /Ich/ hätte jedenfalls in diesem Fall das Smartphone aus der Deckung heraus gehalten, aus sicherer Position den Bildschirm beobachtet und einen Teufel getan, meine Nase auch nur blicken zu lassen. Aber hätte, würde, wäre, auf jeden Fall sind die Geschehnisse in Ägypten tragisch für die Bevölkerung.

    "Er schießt ohne jeglichen Rückstoß? Jeder der schon mal eine Waffe abgefeuert hat weiß das das nur in Hollywoodfilmen geht."
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    Täuschen Sie sich nicht. Der Rückstoß von Sturmgewehren ist aufgrund ihrer Konstruktion nicht übermäßig groß und die AK47 hat nicht mal eine besonders starke Laborierung (wesentlich schwächer als die des G3, dessen Rückstoß ebenfalls sehr moderat ist). So ein Teil kann man durchaus sehr ruhig halten.

  • Unglaublich - man sieht leider nur den Schützen! Mich hätten die Ziele interessiert. Hat der auf Zivilisten geschossen? Dann war es feiger Mord!
    Ich habe keine Sympathie mit Islamisten aber man sollte die Muslim-Brüder nicht kriminalisieren. Sie wurden schließlich demokratisch gewählt. Vor diesem Hintergrund geschah ein Putsch. Die Reaktion der Saudis finde ich befremdlich - sie überweisen einem Übergangsregime das durch einen Putsch an die Macht kam 9 Mrd. EURO. Warum?

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