Erste Erfolge
Europa will Alternative zu Russen-Gas

Norwegen und Algerien planen, ihre Gasexporte in die Europäische Union deutlich zu erhöhen. Damit sinkt die Abhängigkeit von Moskaus Energiepolitik. Die Strategie Brüssels zeigt erste Erfolge.

STAVANGER. Norwegen hat angekündigt, die Gaslieferungen an die EU in den kommenden acht Jahren um mehr als 50 Prozent zu steigern. Energieminister Odd Roger Enoksen sagte nach einem Treffen mit EU-Energiekommissar Andris Piebalgs in Stavanger, sein Land werde künftig zwischen 125 und 140 Mrd. Kubikmeter Erdgas pro Jahr an die EU-Staaten verkaufen. Damit würden die Skandinavier, die aktuell rund 84 Mrd. Kubikmeter liefern, die derzeitigen Exportmengen Russlands nach Europa übertreffen.

Streitereien zwischen Moskau und der Ukraine beziehungsweise Weißrussland hatten in der Vergangenheit zu kurzzeitigen Lieferstopps russischen Gases geführt und in der EU die Sorge geweckt, der Kreml könnte die Energieabhängigkeit Europas als politisches Druckmittel missbrauchen. Um dieser Gefahr vorzubeugen, will die EU künftig mehr Öl und Gas von anderen Lieferländern beziehen.

Bei dieser Strategie gibt es nun Fortschritte. Neben Norwegen will auch Algerien seine Gasexporte an die EU deutlich erhöhen. Algeriens Energieminister Chakib Khelil kündigte nach einem Treffen mit Piebalgs vergangenen Donnerstag an, sein Land könne die Lieferungen von zurzeit jährlich 55 Mrd. Kubikmeter bis 2010 auf 78,5 Mrd. Kubikmeter steigern. Das Gas solle von Algerien durch zwei neue Pipelines nach Almeria in Spanien und Cagliari auf Sizilien geliefert werden. Zudem werde eine bereits existierende Leitung über Tunesien nach Italien vergrößert.

Mit dem Ausbau des Gasgeschäfts mit Algerien wehrt sich die EU erfolgreich gegen das Dominanzstreben des russischen Staatskonzerns Gazprom. Dieser hatte 2006 einen Kooperationsvertrag mit Algeriens Gasmonopolisten Sonatrach geschlossen. Etliche EU-Länder, angeführt von Italien, hatten daraufhin vor Absprachen der beiden Konzerne mit dem Ziel gewarnt, die Pläne der EU bezüglich einer stärkeren Diversifizierung der Lieferländer zu hintertreiben. Diese Sorge sei offenbar unbegründet, sagte Piebalgs.

Die größten Hoffnungen im Streben nach mehr Unabhängigkeit von russischem Gas setzt die EU jedoch in absehbarer Zeit auf Norwegen. In der nördlich gelegenen Barentssee schlummern riesige Erdgasvorkommen. Norwegen verfügt im Gegensatz zu Russland über das Know-how für die technisch anspruchsvolle Erschließung. Und die Skandinavier sind über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, eine gemeinsame Wettbewerbspolitik sowie das Schengen-Abkommen eng an die EU gebunden. „Wir sind Teil des europäischen Marktes“, betonte Energieminister Enoksen.

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