Erste Frau an der Spitze der Fed
Janet Yellen tritt Bernankes Erbe an

US-Präsident Barack Obama setzt auf Kontinuität: Er hat sich entschieden, die aktuelle Nummer zwei in der US-Notenbank an die Spitze zu berufen. Janet Yellen steht geldpolitisch für eine Fortsetzung des lockeren Kurses.
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Washington/San FranciscoSie ist am Ziel: Janet Yellen wird die mächtigste Frau in der politischen Geschichte Amerikas. Sie soll nach dem Willen von Präsident Barack Obama ab Februar die US-Notenbank leiten. Es wäre die erste Frau in der fast 100-jährigen Geschichte der Bank, die die Geschicke der Weltwirtschaft maßgeblich beeinflusst. Heute um 15 Uhr New Yorker Zeit wird die Kandidatur offiziell, teilte das Präsidialamt am Dienstag in Washington mit. Neben Präsident Obama wird auch der scheidende Zentralbank-Chef Ben Bernanke bei der Ankündigung anwesend sein, hieß es. Er wird das Amt Ende Januar 2014 nach acht Jahren Amtszeit übergeben. Bevor Yellen an die Spitze der Fed aufsteigt, muss der Senat der Nominierung noch zustimmen.

Mit der studierten Ökonomin und ausgewiesenen Arbeitsmarktexpertin Yellen geht Obama kein Risiko ein und setzt ein Signal: Die heutige Vize-Chefin der Fed genießt breite Unterstützung in seiner Partei und gilt als strikte Befürworterin der lockeren Finanzpolitik, mit der die Fed die Märkte mit billigem Geld überschwemmt. So sollen die Wirtschaft stimuliert und die Arbeitslosigkeit gesenkt werden. Das Überangebot an billigem Geld treibt zudem die Aktienmärkte.

„Die Arbeitslosigkeit reduzieren, das muss im Zentrum stehen“, hat Yellen in den vergangenen Jahren stets gepredigt. Jobs zu schaffen ist ihr wichtiger als der Kampf gegen die Inflation – damit gilt sie im Offenmarktausschuss der Fed, zuständig für die Geld- und Währungspolitik der USA, als „Taube“. Seit den Krisenzeiten im Jahr 2008 kurbelt die Zentralbank die Konjunktur mit billigem Geld an. Der Leitzins verharrt bei praktisch null Prozent, über den Aufkauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren pumpt die Fed Milliardensummen in den Wirtschaftskreislauf.

Yellen gehörte schon immer zum engeren Kreis der Anwärter auf die Nachfolge Bernankes. Als Obamas bevorzugter Kandidat galt jedoch Larry Summers, einst US-Finanzminister und Professor an der Eliteuni Harvard. Gegen Summers regte sich aber in den Reihen von Obamas Demokraten Widerstand, eine Bestätigung durch den Senat schien nicht sicher. Mitte September erklärte Summers seinen Verzicht.

Der aktuelle geldpolitische Kurs der Fed wird derzeit durch den US-Etatstreit befeuert. Während Kritiker angesichts der wirtschaftlichen Erholung in den USA eine schnelles Ende der Geldschwemme fordern, erklärte Fed-Chef Ben Bernanke im September, er werde unter Umständen bis ins kommende Jahr an den Maßnahmen festhalten. Die Chancen dafür wachsen mit jedem Tag, den die Haushaltskrise anhält. Seit am vergangenen Dienstag die Verhandlungen über einen neuen Haushalt gescheitert waren, befindet sich die USA im Sparmodus. Die politischen Fronten sind weiter verhärtet und ein schnelles Ende des Haushaltsstreits ist derzeit nicht in Sicht.

Sollte die erste Haushaltssperre seit 16 Jahren noch über Wochen anhalten, rechnen Ökonomen mit einer spürbaren negativen Auswirkung auf die US-Wirtschaft. Obama braucht dann jemanden an der Spitze der weitgehend unabhängig agierenden Notenbank, der seinen Vorstellungen nahekommt. Yellen wird die schwierige Aufgabe zufallen, zum richtigen Zeitpunkt die exzessiven Stützungsmaßnahmen auslaufen zu lassen.

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„Historischer Moment für die Zentralbank“

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  • offensichtlich schmückt sie sich mit Gold ;-)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ein Gedanke:Yellen strebt ein Inflationsziel von 2 % vor.Das würde locker erreicht werden,wenn die Welt den Dollar nicht mehr als Leitwährung akzeptieren würde.Also zum Beispiel Rohstoffe,Edelmetalle,Nahrungsmittel etc, wie Gold,Silber und Öl und Weizen,nicht mehr in Dollar gehandelt werden würden.
    Ich schreibe ausdrücklich "würden"-denn daran ist nicht zu denken.Aber wenn,würden die USA sehr schnell zweistellig inflationieren.Warum? Nun,das Handelsdefizit wird doch zum großen Teil nur durch diesen "Zwangsumtausch" egalisiert.Fiele der weg,würden die USA schnell mit runter gelassenen Hosen dastehen.Angeblich wäre das im Übrigen der wahre Grund für den "Zweiten Irakkrieg" gewesen,dass der Irak sein Öl in Euro und nicht mehr in Dollar,abrechnen wollte und man befürchtete,dass sowas bald Schule macht...Ich weiß nicht ob das stimmt,aber ökonomisch würde das für die USA Sinn machen,denn an die andere Version-den Massenvernichtungswaffen,glaubten wohl damals schon die wenigsten.

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