Erste Gegenstimme in Japans Notenbank
Nullzinspolitik in Tokio wieder in die Diskussion

Die Diskussionen innerhalb der japanischen Notenbank über erste Schritte aus der superexpansiven Geldpolitik werden lauter. Am Mittwoch stimmte ein Mitglied des neunköpfigen geldpolitischen Rates gegen die Beibehaltung des jetzigen Liquiditätsziels. Erstmals seit über einem Jahr fiel damit eine Entscheidung des Rats nicht einstimmig.

bas TOKIO. Letztlich beließ die Notenbank ihre Geldpolitik und ihre Einschätzung der japanischen Wirtschaftslage unverändert. Angesichts der Gesundung des Bankensystems und der Aussicht, dass die japanische Wirtschaft ihre sechsjährige Deflation spätestens 2006 hinter sich lassen könnte, dürfte die Debatte über eine Normalisierung der Geldpolitik aber erst am Anfang stehen.

Seit 2001 steht der Diskontsatz der japanischen Notenbank bei 0,1 Prozent. Um die Geldmenge hoch zu halten, peilt die Notenbank zudem an, dass die Geschäftsbanken Reserven zwischen 30 und 35 Bill. Yen (215 bis 250 Mrd. Euro) bei ihr halten. Die Banken interessieren sich aber immer weniger für diese Liquidität. Dies sei der Hauptgrund für die Gegenstimme gewesen, sagte Notenbankgouverneur Toshihiko Fukui. Auch das Mitglied mit der Gegenstimme sei dafür, den Rahmen der geldpolitischen Lockerung beizubehalten.

Die Notenbank hat zugesichert, die Geldpolitik unverändert zu lassen, solange die Deflation Japan im Griff halte. Noch fällt der Konsumentenpreisindex, den die Notenbank als Kriterium heranzieht. Im Februar sank er um 0,4 Prozent. Doch in absehbarer Zeit – die Prognosen reichen von diesem Spätsommer bis irgendwann 2006 – könnte das Preisniveau wieder ansteigen. Da sich auch die Lage der Banken stabilisiert hat und die unbegrenzte Staatsgarantie auf Sichteinlagen problemlos beendet wurde, sucht die Notenbank nach einem konjunktur-schonenden Übergang zu einer normalen Geldpolitik. „Die Bank von Japan will weg von der Nullzinspolitik, um die ökonomische Feinsteuerung wieder in der Hand zu haben“, sagt Ökonom Martin Schulz vom Fujitsu Forschungsinstitut. „Der Übergang ist aber ein Problem.“

Verschiedene Mitglieder des geldpolitischen Rates hatten sich zuletzt in Reden dafür ausgesprochen, über eine Senkung des Liquiditätsziels nachzudenken. In künftigen Sitzungen des Rates könnte die Zahl der Gegenstimmen deshalb durchaus steigen, sagte Ökonom Takehiro Sato von Morgan Stanley der Nachrichtenagentur Kyodo. Allerdings befürchtet die Notenbank, ein geringeres Liquiditätsziel könne vom Markt als erstes Anziehen der geldpolitischen Zügel überinterpretiert werden. Analysten warnen bereits, ein vorzeitiger Schritt könnte die Konjunktur abwürgen, die sich gerade von einer halbjährigen Wachstumspause zu erholen beginnt.

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