Erste konkrete Auswirkungen
Karikaturen belasten dänische Wirtschaft

Witzig findet das Torben Ballegaard Sørensen überhaupt nicht. Der Chef der Hifi-Edelschmiede Bang & Olufsen (B&O) ist empört, wie Dänemarks Regierungschef Anders Fogh Rasmussen mit der Affäre um Zeitungskarikaturen des Propheten Mohammed umgegangen ist.

STOCKHOLM. „Der Regierungschef hätte von Beginn an klar machen sollen, dass wir die Meinungsfreiheit verteidigen, aber dass sie auch mit Verantwortung und Rücksichtsnahme verbunden ist“, kritisierte er den rechtsliberalen Ministerpräsidenten.

Rasmussen hatte sich erst am Montagabend im dänischen Fernsehen vorsichtig für zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed entschuldigt, die die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ Ende September vergangenen Jahres veröffentlicht hat – und damit Millionen Muslime in aller Welt kränkte. Die Karikaturen stellen Mohammed unter anderem als Gewalttäter dar. Auf einer Zeichnung sieht man ihn mit einer brennenden Zündschnur; ein anders Mal verwehrt er Männern den Zutritt zum Himmel mit den Worten: „Stop! Uns sind die Jungfrauen ausgegangen.“ Auf zwei Karikaturen ist er aber auch als freundlich aussehender älterer Herr zu sehen (siehe „Zeitung auf Rückzug“ am Ende des Artikels).

Nach direkten Protesten von den rund 200 000 Muslimen, die in Dänemark leben, kam es zu einer späten Eskalation, als in den vergangenen Tagen nach Saudi-Arabien auch Kuwait und Libyen ihre Botschafter aus Kopenhagen zurück riefen. Vereinzelt wurden sogar Übergriffe auf dänische Einrichtungen in islamischen Ländern gemeldet. Das Kopenhagener Außenministerium rät daher derzeit von Reisen in die Region ab.

Weder Fogh Rasmussens Versuch, vorsichtig auf Distanz zu „Jyllands-Posten“ zu gehen, noch die Quasi-Entschuldigung der Chefredaktion der Zeitung, man habe mit den Zeichnungen niemanden verletzen wollen, reichten aus, um einen massiven Kaufboykott von dänischen Produkten in islamischen Ländern sowie Protestaktionen in Gaza-Stadt zu verhindern. Der Zorn richtete sich auch gegen Norwegen, wo eine Zeitung aus Solidarität mit „Jyllands-Posten“ die Karikaturen veröffentlicht hatte.

Peter Tuborgh, Chef des dänisch-schwedischen Lebensmittel-Riesen Arla Foods, brachte es auf den Punkt. „Ich glaube“, sagte er, „wir haben die Dimension dieser Affäre nicht richtig begriffen“. Tatsächlich kann die Affäre die dänische Wirtschaft teuer zu stehen kommen: Nach einer am Dienstag in Kopenhagen veröffentlichten Analyse der dänischen Jyske Bank sind bei einem einjährigen Boykott von dänischen Lebensmitteln mit Einnahmeverlusten von etwa 2,4 Mrd. Kronen (321,6 Mill. Euro) und dem Verlust von bis zu 4 000 Arbeitsplätzen zu rechnen. Sollten sich die Boykott-Appelle auch gegen andere Branchen richten, wären sogar bis zu 11 000 Jobs in Gefahr.

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