Erste Präsidentenwahl
Afghanen wählen trotz Terror

Das afghanische Volk hat sich von den Drohungen der Taliban nicht einschüchtern lassen und hat erstmals einen Präsidenten demokratisch gewählt. Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm, doch Anschläge gab es trotzdem.
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KabulBei der Präsidentenwahl in Afghanistan haben Millionen Afghanen den Weg für die erste demokratische Machtübergabe in der Geschichte des Landes freigemacht. Die Wähler trotzten am Samstag den Drohungen der Taliban, denen es nicht gelang, die Abstimmung massiv zu stören. Wegen des großen Andrangs verlängerte die Wahlkommission (IEC) die Öffnungszeit der Wahllokale um eine Stunde. In Wahllokalen in mehreren Provinzen gingen die Stimmzettel aus, die nach IEC-Angaben aus den Provinzhauptstädten nachgeliefert wurden.

Der scheidende Präsident Hamid Karsai regiert seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Er durfte nach der Verfassung nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Die Abstimmung markiert den ersten demokratischen Machtwechsel in der Geschichte des Landes.

Aufgrund der schlechten Sicherheitslage mussten nach IEC-Angaben am Wahltag weitere 211 Wahlzentren zubleiben - 748 andere waren schon vor der Abstimmung für geschlossen erklärt worden. 6212 Wahlzentren im Land seien geöffnet gewesen, teilte die IEC mit. Statt der von den Taliban angedrohten Welle von Anschlägen auf Wahllokale kam es nur zu vereinzelten Zwischenfällen.

Vize-Innenminister Mohammad Ajub Salangi sagte: „Landesweit wurden Dutzende Aufständische durch afghanische Sicherheitskräfte getötet.“ Die Behörden teilten zu den Provinzen mit, in Badghis sei ein Wähler getötet worden. In Logar seien zwei Wähler verletzt worden, als in einem Wahlzentrum ein Sprengsatz detonierte. In Parwan und Wardak seien Wahllokale beschossen worden. Bei einem Selbstmordanschlag in Chost sei nur der Attentäter gestorben. In Ghasni sei ein Selbstmordattentäter von Polizisten erschossen worden.

In der Hauptstadt Kabul - wo spektakuläre Anschläge befürchtet worden waren - blieb es ruhig. Zur Wahl waren die 352 000 afghanischen Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden.

Mehr als zwölf Millionen Stimmberechtigte waren zur Wahl aufgerufen. In Kabul bildeten sich trotz schlechten Wetters Schlangen an den Wahllokalen. Die Stadt wurde zur Festung ausgebaut, Sicherheitskräfte errichteten etliche Checkpoints. Wähler wurden vor den Wahllokalen auf Sprengstoff und Waffen durchsucht.

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