Erste Soldaten gelandet
Haiti: Uno beschließt Truppen-Entsendung

Auf Drängen der USA und Frankreichs hat der Weltsicherheitsrat einer multinationalen Übergangstruppe für Haiti ein Mandat erteilt. Ihre Aufgabe ist es, in dem Karibikstaat für Ruhe und Ordnung zu sorgen und die Versorgung der Bevölkerung durch die Vereinten Nationen und andere Hilfsorganisationen zu ermöglichen.

HB NEW YORK. Die einstimmige Verabschiedung der Resolution erfolgte nur wenige Stunden nach dem Rücktritt von Haitis Präsident Jean-Bertrand Aristide. Die ersten US-Soldaten landeten am Sonntagabend in der Hauptstadt Port-au-Prince.

Der Sicherheitsrat rief in seiner Resolution alle Konfliktparteien in Haiti auf, die Gewalt zu beenden. Die Truppe wird autorisiert, für eine Zeitraum von bis zu drei Monaten „zu einem sicheren und stabilen Umfeld“ in Haiti beizutragen. Danach soll eine Uno-Stabilisierungstruppe die Aufgaben übernehmen.

Uno-Generalsekretär Kofi Annan rief die Bevölkerung in Haiti auf, ruhig zu bleiben und mit dem neuen Übergangspräsidenten Boniface Alexandre zusammenzuarbeiten. Den Einwohnern riet Annan, „an ihr Land zu denken und an ihre Zukunft, nicht an ihr eigenes Bestreben.“ Wer gegen die Menschenrechte verstoße, werde dafür verantwortlich gemacht, sagte Annan.

Der Sicherheitsrat erklärte, Alexandre habe die internationale Gemeinschaft in einem Brief dringend gebeten, bei der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit in Haiti zu helfen.

Der Uno-Botschafter der USA, John Negroponte, sagte, ein erstes Kontingent von US-Soldaten sei in dem Moment in Haiti angekommen, in dem der Sicherheitsrat votiert habe.

„Ich kann Ihnen sagen, dass die Marineinfanteristen gelandet sind. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viele“, sagte ein Sprecher des US-Militärs. In US-Kreisen hieß es, mehrere hundert US-Marineinfanteristen seien von Camp Lejeune in North Carolina abgeflogen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe die Stationierung weiterer Soldaten angeordnet, hieß es in einer Stellungnahme des Verteidigungsministeriums. „Die letztliche Größe des Beitrages zur multinationalen Truppe ist nicht beschlossen.“ Die US-Soldaten sollten die Hauptstadt sichern und vor der Ankunft der Uno-Truppe für Ordnung sorgen.

Frankreich entsendet nach Angaben des Verteidigungsministeriums bis zu 200 Soldaten, die am Montag in Haiti erwartet werden. Uno-Diplomaten sagten, auch andere Staaten, darunter Kanada und Brasilien, würden sich voraussichtlich an der Truppe beteiligen.

Aristide hatte am Sonntagmorgen Haiti verlassen. Für den demokratisch gewählten, aber zunehmend umstrittenen Präsidenten war die Lage immer schwieriger geworden, da Rebellen auf ihrem Vormarsch Port-au-Prince belagerten, um seinen Rücktritt zu erzwingen.

Aus dem US-Außenministerium verlautete, ein afrikanisches Land sei bereit, Aristide Asyl zu gewähren. Um welches Land es sich handelte, wurde nicht bekannt. Zuvor hatte Panama sich bereit erklärt, Aristide vorübergehend aufzunehmen. Panamas Außenminister Harmodio Arias sagte, sein Land sei bereit, Aristide für zwei Wochen aufzunehmen, bis er ein anderes Land gefunden habe, das ihm Asyl gewähre. Panama erfülle damit einen Wunsch von US-Außenminister Colin Powell, sagte Arias. Aristide war ursprünglich in die Dominikanische Republik gereist, dann aber nach Angaben des haitianischen Konsuls in Santo Domingo in den Karibik-Staat Antigua und Barbuda weitergeflogen.

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