Erster großer Test zur Fußball-WM: Deutsche Polizisten jagen niederländische Verbrecher

Erster großer Test zur Fußball-WM
Deutsche Polizisten jagen niederländische Verbrecher

Was an den Grenzen zu Österreich und der Schweiz bereits üblich ist, wird demnächst auch an der holländischen Grenze Normalität: Die Verbrecherjagd hört nicht mehr mit dem Grenzpfosten auf.

HB ENSCHEDE. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten am Mittwoch in Enschede Bundesinnenminister Otto Schily und Justizministerin Brigitte Zypries (beide SPD) mit ihren niederländischen Kollegen Johan Remkes und Piet-Hein Donner. Die Vereinbarung, die den bisherigen Korridor von 15 auf 150 Kilometer erweitert, erlaubt künftig die Verfolgung von Rasern und Alkoholsündern, aber notfalls auch den Einsatz von Dienstwaffen - vom Pfefferspray bis zur Schusswaffe.

Das Vertragswerk, das in ähnlicher Form mit Österreich und der Schweiz existiert, muss noch von den Parlamenten abgesegnet werden und soll spätestens zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland in Kraft treten.

Die Fußball-WM soll der erste große Testfall für die neue Zusammenarbeit werden. „Wir können Fußballfans bisher nicht abholen oder nach Hause begleiten“, beschrieb Schilys niederländischer Kollege Johan Remkes die Probleme beim Vorgehen gegen möglicherweise gewaltbereite Fans. Bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität sei künftig die gemeinsame Beobachtung von Drogentransporten möglich. Vereinbart wurde auch der Austausch von Informationen, etwa aus DNA- Datenbanken.

„Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die deutsche Polizei nicht kurz hinter Enschede abrupt auf die Bremse treten muss“, sagte Remkes. Bisher könnten Kriminelle die formalen Grenzen noch zu häufig für sich nutzen. „Die Grenze ist für den Bürger praktisch nicht mehr existent“, sagte Remkes. „Für Polizisten ist sie bisher ein wirkliches Hindernis.“ An dem Vertragswerk hatten auf deutscher Seite auch die Innenministerien der Länder Nordrhein- Westfalen und Niedersachsen mitgewirkt.

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