Erster Neubau nach Fukushima
EU genehmigt Beihilfe für Akw in Großbritannien

Großbritannien erhält von der EU laut Insidern staatliche Beihilfen für den ersten Neubau eines Atomkraftwerks seit der Katastrophe im japanischen Fukushima. Für Frankreich ist die Anlage ein wichtiges Exportgeschäft.
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BrüsselDie EU wird Großbritannien nach Angaben von Insidern grünes Licht für den ersten Akw-Neubau in Europa seit der Katastrophe von Fukushima geben. Die für staatliche Beihilfen zuständige Behörde werde das knapp 19 Milliarden Euro teure Projekt voraussichtlich innerhalb der kommenden zwei Wochen absegnen, berichteten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. An dem Bau ist der französische Versorger EDF maßgeblich beteiligt.

Das Projekt hat für Großbritannien eine hohe Priorität, weil das Land in den kommenden Jahren jedes Fünfte seiner alternden AKWs ersetzen will. Für Frankreich ist die Anlage ein wichtiges Exportgeschäft. Auch zahlreiche andere Länder warten gespannt auf das Urteil der EU-Behörde, weil es eine Richtschnur für die erlaubten Subventionen liefert. AKW-Entwickler in der EU sind mittlerweile auf staatliche Unterstützung angewiesen, denn seit dem Fukushima-Unglück im März 2011 haben schärfere Sicherheitsauflagen die Kosten für neue Kernkraftwerke in die Höhe getrieben. Daher sichert Großbritannien als erstes europäisches Land den AKW-Bau mit Staatsgarantien ab.

Das Kraftwerk Hinkley Point C mit zwei Druckwasserreaktoren des französischen Herstellers Areva soll in Somerset in Südwest-England entstehen. Es ist der erste derartige Neubau in Großbritannien seit rund 20 Jahren. Er soll ab 2023 Strom produzieren und laut EDF rund sieben Prozent zur britischen Elektrizitätserzeugung beitragen. An dem Konsortium sind auch chinesische Firmen beteiligt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Erster Neubau nach Fukushima: EU genehmigt Beihilfe für Akw in Großbritannien"

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  • @Peter Silberg
    Gäbe es das Wettbewerbsfeindliche (Marktfeindliche) EEG nicht, dann würde man auch nicht über Beihilfen für den Rest der Energiewirtschaft (Kraftwerke) verhandeln müssen!
    Schafft das EEG ab und schon würden ALLE Energieerzeuger wieder im gleichen Marktboot im Wettbewerb untereinander sitzen.
    Das EEG ist Schuld an den Beihilfen!

  • @ Peter Silberg „....hat letztes Jahr noch intensiv Subventionen im Energiebereich (hier: Erneuerbare Energien) bekämpft.“

    Was ist daran so schwer zu verstehen? Wer fluktuativ auftretende Energie mit Riesensummen „fördert“, wie es in Deutschland geschieht, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank. Die Förderung von ständig zur Verfügung stehender Energie hat da eine ganz anderer Qualität, sie ist mehr als sinnvoll.

  • Das verstehe, wer will. Wettbewerbskommissar Almunia hat letztes Jahr noch intensiv Subventionen im Energiebereich (hier: Erneuerbare Energien) bekämpft. Daraufhin musste u. a. das EEG in Deutschland überarbeitet werden. Jetzt werden neue Subventionen (für Kernkraftwerke) abgesegnet. Kein Wunder, dass die Politikverdrossenheit in Europa immer weiter zunimmt.

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