Erstmals seit 20 Jahren
Irak bohrt wieder nach Öl

Der Irak, einer der wichtigsten Erdöl-Exporteure der Welt, bohrt erstmals seit 20 Jahren wieder nach dem "schwarzen Gold". Dank der Ölpreisexplosion hat das kriegsgebeutelte Land gewaltige Gewinne erzielt. Mit dem Fund neuer Quellen könnten noch einige Milliarden hinzukommen.

HB BAGADAD. Die Bohrungsarbeiten auf dem Al-Gharaf-Ölfeld bei Nassirija, 350 Kilometer südlich von Bagdad, hätten am Freitag begonnen, bestätigte der Sprecher des irakischen Erdölministeriums, Assem Dschihad, der Nachrichtenagentur Aswat al-Irak. Wegen Kriegen und Sanktionen hatte der Irak seit zwei Jahrzehnten keine neuen Erdölvorkommen mehr erschlossen.

Der Staat an Euphrat und Tigris gilt als das Land mit den drittgrößten Erdölreserven der Welt. Experten sprechen von Vorkommen im Umfang von rund 112 Milliarden Barrel. Dschihad zufolge könnten sie in Wirklichkeit sogar doppelt so groß sein.

Die Ölförderung im Irak war nach dem Einmarsch des Landes in Kuweit und dem folgenden Krieg nahezu zusammengebrochen. Durch Uno-Sanktionen konnte das Land über viele Jahre nur beschränkt Erdöl exportieren. Dem Irak, der bislang über die immerhin drittgrößten Erdölreserven der Welt verfügt, fehlen bislang Geld und Technik, um seine Ölvorkommen besser auszubeuten. Zurzeit fördert das Land 2,5 Millionen Barrel pro Tag, bis Ende des Jahres sollen es 3 Millionen Barrel pro Tag werden - so viel wie vor dem Einmarsch der US-Truppen im März 2003.

Der Irak hat einem US-Regierungsbericht zufolge dank der Ölpreisexplosion schon in den vergangenen Jahren gewaltige Gewinne erzielt, damit aber kaum den Wiederaufbau des Landes finanziert. Seit 2005 habe der rasant gestiegene Ölpreis der Regierung in Bagdad einen Überschuss von bis zu 79 Milliarden US-Dollar in die Kasse gespült, berichteten US- Zeitungen in dieser Woche unter Berufung auf eine Untersuchung des US- Rechnungshofes (GAO). Derweil bewilligten die USA laut "Washington Post" seit Beginn des Krieges 2003 rund 48 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau. Bis auf sechs Milliarden sei die Summe auch schon verplant oder ausgegeben worden.

Hingegen habe die irakische Regierung zwischen 2005 und 2007 nur rund zehn Prozent ihrer Staatsausgaben für Wiederaufbaumaßnahmen eingesetzt. Lediglich ein Prozent habe sie für den Unterhalt von amerikanischen und irakischen Investitionen aufgewendet, die in Straßen, Wasser- und Stromleitungen sowie Waffen geflossen seien.

Der GAO-Bericht löste bei US-Demokraten und Republikanern Empörung aus. "Wir sollten keine irakischen Projekte mehr finanzieren, während sich irakische Öleinnahmen auf den Konten häufen", sagte der demokratische Senator und Vorsitzende des Streitkräfteausschusses, Carl Levin. In einer gemeinsamen Mitteilung Levins und des republikanischen Senators John Warner hieß es weiter: "Es ist unentschuldbar, dass amerikanische Steuerzahler weiter die Rechnung für Projekte begleichen, die die Iraker in vollem Umfang alleine zahlen können." Levin und Warner hatten die Untersuchung des Rechnungshofes in Auftrag gegeben.

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