Erstmals seit Waffenruhe
Israel tötet gezielt Salafisten in Gaza

Bei dem Angriff Israels auf Gaza wurde ein militanter Salafist getötet. Seit dem Waffenstillstandsbeschluss im letzten Jahr war es der erste tödliche Luftangriff auf Gaza. Im Norden gab es einen zweiten Zwischenfall.

GazaDer schwelende Nahostkonflikt hat in den Palästinensischen Autonomiegebieten erstmals seit Monaten zu zwei tödlichen Zwischenfällen geführt. Bei einem israelischen Luftangriff auf die Stadt Gaza wurde am Dienstag ein militanter Salafist getötet und ein weiterer Palästinenser verletzt. Fast zeitgleich wurde am Morgen ein israelischer Siedler im Norden des Westjordanlands von einem Palästinenser erstochen, was weitere Gewaltausbrüche zwischen den Volksgruppen auslöste.

Der gezielte tödliche Angriff im Flüchtlingslager Schati westlich von Gaza-Stadt galt nach übereinstimmenden Angaben von Anwohnern und der israelischen Armee einem militanten Salafisten. Der 24jährige Haitham al-Masschal sei nahe eines Trainingslagers der im Gazastreifen regierenden Hamas mit dem Motorrad unterwegs gewesen, als er aus der Luft beschossen worden sei, berichteten Anwohner. In einer Mitteilung der Streitkräfte hieß es, der getötete Salafist gehöre zum islamistischen Schura-Rat der Mudschaheddin und sei "unter anderem vom Sinai aus am Raketenbeschuss des israelischen Badeortes Eilat vom 17. April beteiligt" gewesen.

Es war der erste tödliche Luftangriff auf Gaza, seit Israel Ende November unter ägyptischer Vermittlung einen Waffenstillstand mit der radikalislamischen Hamas geschlossen hatte. Danach war es drei Monate völlig ruhig geblieben, ehe Salafisten vor zwei Monaten den Raketenbeschuss wieder aufnahmen. Zuletzt schlug am Montag ein Mörsergeschoss im Süden Israels ein. Die israelische Luftwaffe reagierte darauf in den vergangenen Wochen mit mehreren Angriffen, die aber nur Sachschäden zur Folge hatten.

Der zweite tödliche Zwischenfall ereignete sich im Norden des Westjordanlands an einer Bushaltestelle südlich von Nablus. "Der palästinensische Tatverdächtige stach auf den Israeli ein, der an der Haltestelle saß", berichtete Polizeisprecherin Luba Samri. Danach seien in der Nähe postierte israelische Grenzpolizisten herbeigeeilt und hätten auf den Angreifer geschossen, der sich der Waffe des Opfers bemächtigt und das Feuer erwidert habe. Der Mann sei verletzt und entwaffnet worden und werde in einem Krankenhaus verhört, sagte die Sprecherin.

Bei dem tödlich Verletzten handelt es sich nach Angaben der israelischen Polizei um einen fünffachen Familienvater im Alter von 32 Jahren aus der benachbarten jüdischen Siedlung Jizchar. Der mutmaßliche Täter kommt nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte aus dem Raum Tulkarem westlich von Nablus. Der 23-jährige sei im März nach drei Jahren Haft aus einem israelischen Gefängnis entlassen worden.

Kurz nach der tödlichen Messerattacke versammelten sich Siedler aus Jizchar und bewarfen palästinensische Autos mit Steinen, berichtete ein AFP-Korrespondent. Nahe des benachbarten Dorfes Burin hätten die Siedler einen Schulbus angegriffen, wobei es Leichtverletzte gegeben habe, berichtete Polizeisprecherin Samri; fünf von ihnen seien daraufhin festgenommen worden.

Der letzte tödliche Angriff auf israelische Bürger im Westjordanland hatte sich im September 2011 ereignet. Ein Siedler hatte nach Steinwürfen auf sein Auto die Kontrolle über den Wagen verloren und war mit seinem 18 Monate alten Kind ums Leben gekommen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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