Ertragsvergleich
Deutsche Unternehmen liegen vorne

Dank effektiver Produktion, striktem Kostenmanagement und Expansion in Boom-Märkte sind deutsche Konzerne erfolgreich. Die Franzosen profitieren weniger von der Globalisierung: Schuld ist die staatliche Industriepolitik.
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Viel Masse, wenig Marge - das war jahrzehntelang das Markenzeichen deutscher Konzerne wie VW, Siemens und Henkel. Weniger Umsatz, dafür hohe Renditen - damit stachen die Franzosen mit ihren Vorzeigeunternehmen Total, Danone und Carrefour hervor.

Doch mit der Rezession 2007/08 begann eine neue Zeitrechnung. Die Unternehmen erholten sich ganz unterschiedlich. Die Nettogewinne der 30 größten börsennotierten Unternehmen im Dax schnellten in den vergangenen drei Jahren um knapp 200 Prozent nach oben. In Frankreich schafften die 30 Top-Unternehmen ganze 19 Prozent.

Mit jedem Euro Umsatz blieb bei den Deutschen im abgelaufenen Geschäftsjahr im Schnitt ein Reingewinn von 5,3 Cent übrig. Das ist nur 0,1 Cent weniger als im bisherigen Rekordjahr 2007. Die Franzosen dagegen arbeiteten mit einer Marge von 5,4 Prozent unprofitabler als 2007. Damals waren es noch 7,2 Cent.

Die Angleichung der Profitabilität kommt einer Gezeitenwende gleich. Denn Frankreichs Börsenzettel vereint mit dem Ölkonzern Total und Luxusgiganten wie L'Oréal, LVMH und Pernod-Ricard viele Unternehmen mit traditionell hohen Margen, wie es sie in Deutschland nicht gibt. Das verzerrt den Schnitt bei den Franzosen nach oben.

Düster fällt der Vergleich in der Industrie aus. Der Grund: Frankreichs Produktivität sinkt. Das zeigt der Anstieg der Lohnstückkosten: Sie erhöhten sich in Frankreich binnen zehn Jahren um 21 Prozent, in Deutschland aber nur um knapp neun Prozent. Die Folge etwa in der Automobilindustrie: Frankreich produzierte 2011 zwei Millionen Fahrzeuge, so viel wie vor zehn Jahren. Im selben Zeitraum erhöhten die deutschen Hersteller ihre Produktion um 50 Prozent auf 5,5 Millionen.

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