„Es gab dort keine Gesetze“
Bericht über US-Geheimgefängnis im Irak

Laut US-Regierungslinie gingen die Misshandlungen in dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib auf das Konto von Einzelnen. Ein Bericht der „New York Times“ offenbart aber, dass eine US-Eliteeinheit offenbar systematisch gefoltert hat.

HB WASHINGTON. In einem Geheimgefängnis am Flughafen von Bagdad seien Gefangene geschlagen und bespuckt und als lebende Zielscheiben bei Schießübungen mit Farbkugeln missbraucht worden, schrieb die Zeitung am Sonntag unter Berufung auf interne Pentagon-Papiere und Interviews mit Beamten. Das widerlege die Regierungslinie, dass Misshandlungen in dem berüchtigten Gefängnis Abu Ghoreib auf das Konto von Einzelnen gingen, schrieb die Zeitung.

Die US-Eliteeinheit „Task Force 26“ habe ein Foltergefängnis aus Saddam Husseins Zeiten am Flughafen von Bagdad übernommen und in Camp Nama umgetauft. Dort habe es 85 Zellen und einen so genannten „schwarzen Raum“ gegeben. „Es gab dort keine Gesetze“, sagte ein Pentagon-Mitarbeiter der Zeitung. „Wenn die Gefangenen nicht bluten, kann Dich keiner anklagen“, sei das Motto der Task Force gewesen, die nach dem Anführer der El Kaida-Terroristen im Irak, Abu Mussab al- Sarkawi, fahndete. Die Zellen seien so eng gewesen, dass Gefangene darin nur hocken konnten. Sie seien mit ohrenbetäubend lauter Rapmusik beschallt und einige nackt mit Wasser überschüttet und vor Ventilatoren gestellt worden.

Der Geheimdienst CIA hätte schon im August 2003 Misshandlungen in dem Camp angeprangert, schrieb die Zeitung. Das war Monate bevor die auf Fotos dokumentierten Misshandlungen in Abu Ghoreib passierten. Ein CIA-Vertreter schrieb aus Bagdad nach Washington, die Verhörmethoden des Militärs seien zu aggressiv. Die CIA verbot ihren Beamten daraufhin, an solchen Verhören teilzunehmen.

Nach Angaben der „New York Times“ wurde über einzelne Misshandlungsfälle aus dem Camp bereits in Medien berichtet, das ganze Ausmaß sei aber nie bekannt geworden. Seit 2003 gab es insgesamt 29 Misshandlungsvorwürfe, sagte der Sprecher des Sondereinheitskommandos, Kenneth McGraw, der Zeitung. Nur in fünf Fällen hätten genügend Beweise vorgelegen. 34 der rund 1000 Mitglieder der Einheit seien deshalb diszipliniert worden, einige mit bis zu sechsmonatigen Gefängnisstrafen. Camp Nama wurde im Sommer 2004 geschlossen.

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