"Es gibt dort keine Regeln"
Unter Soldaten kursieren CDs mit Misshandlungs-Fotos

Britische Zeitungen berichten über neue Fälle von Misshandlungen durch britische Soldaten. Ein Soldat berichtete, dass CDs mit Fotos von irakischen Gefangenen vor und nach ihren Misshandlungen herumgereicht wurden. Einem TV-Bericht zufolge wurden offenbar auch irakische Kinder von US-Soldaten misshandelt.

HB BERLIN. Ein ehemaliger irakischer Gefangener und ein britischer Soldat haben britischen Zeitungen erneut von Misshandlungen in Irak berichtet. Dem «Daily Mirror» gab ein anonymer Soldat, den die Zeitung «Soldat D» nennt, das Foto eines gefesselten Gefangenen auf der Ladefläche eines Armeetransportfahrzeugs, dessen Mund blutig geschlagen worden war.

Der Mann sei etwa eine Minute lang geschlagen und mit Fußtritten traktiert worden, sagte «Soldat D». «Es gibt dort keine Regeln,» sagte er dem Blatt.

Er berichtete weiter, dass unter den britischen Soldaten CDs kursierten mit Fotos von irakischen Gefangenen vor und nach ihren Misshandlungen. In seiner Stube sei eine CD mit ungefähr 500 Fotos herumgereicht worden.

Der Zeitung «Independent» hat ein ehemaliger irakischer Gefangener erzählt, er sei von Soldaten des Queen's Lancashire Infanterie-Regiments auf Hals, Brust und Genitalien geschlagen worden. Der 44-jährige Kifah Talah sagte dem Blatt, er sei zeitweise von acht Soldaten gleichzeitig drei Tage lang erniedrigt und gefoltert worden.

Derweil berichtete der britische Fernsehsender ITV, US-Soldaten hätten im Gefängnis Abu Gharib bei Bagdad auch Kinder misshandelt. Der Sender beruft sich auf einen Kameramann des Fernsehsenders Al Dschasira. Der Journalist Suhaib el Bas war selbst 74 Tage in dem Gefängnis inhaftiert. Er sagte, er habe gesehen, wie ein 12 oder 13 Jahre altes Mädchen nackt ausgezogen und geschlagen worden sei, während ihr Bruder ihre Schreie in einer anderen Zelle habe anhören müssen.

ITV betont, man habe die Berichte des Kameramannes bisher nicht verifizieren können, aber der Journalist sage, psychische und physische Gewalt sei in Abu Gharib an der Tagesordnung gewesen. Er sagte, er habe auch die Misshandlung eines 15-Jährigen beobachten können. Dieser habe zwei Kanister voll Wasser tragen müssen und sei jedes Mal geschlagen worden, wenn er stehen geblieben sei. Als er zusammengebrochen sei, habe man kaltes Wasser über ihn ausgeschüttet.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte bei seiner Aussage vor dem Streitkräfte-Aussschuss des US-Senats gesagt, es gebe noch mehr Fotos und Videos, die bisher nicht bekannt seien. Ihre Veröffentlichung würde die Lage noch schlimmer machen. Rumsfeld hatte den Opfern von Misshandlungen Entschädigungen in Aussicht gestellt.

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