Eskalation befürchtet
Kurden-Protest greift auf Istanbul über

Die Unruhen in der Türkei halten an. Der Kurdenprotest gegen den Tod von PKK Rebellen, die von Sicherheitskräften erschossen worden waren, ist inzwischen sogar in Istanbul angekommen. Die Spannungen überschatten auch die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei.

ATHEN. Die Lage in den türkischen Kurdenprovinzen bleibt angespannt. Am Wochenende wurden aus den Städten Silopi und Yüksekova nahe der irakischen Grenze neue Zusammenstöße gemeldet. Auch in Istanbul lieferten sich mehrere hundert Demonstranten gestern Straßenschlachten mit der Polizei. Die neuen Spannungen, die auch soziale Ursachen haben, überschatten die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei.

Die Unruhen hatten vergangenen Dienstag in der Kurdenmetropole Diyarbakir nach der Beisetzung von Rebellen der kurdischen Terrororganisation PKK begonnen, die von Sicherheitskräften getötet worden waren. Seitdem sind bei Zusammenstößen acht Menschen ums Leben gekommen, darunter drei Kinder, über 300 wurden verletzt.

Inzwischen hat der Konflikt auch auf den Westen des Landes übergegriffen. Demonstranten steckten am Sonntag in Istanbul Busse und Lastwagen in Brand, die Polizei setzte Tränengas und gepanzerte Fahrzeuge ein. Am Freitagabend waren in der Wirtschaftsmetropole bei einem Bombenanschlag an einer Bushaltestelle ein Straßenhändler getötet und 13 Menschen teils schwer verletzt worden. Zu dem Attentat bekannte sich die der PKK nahe stehende Terrorgruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“, die bereits im vergangenen Jahr in der Westtürkei mehrere Anschläge verübt hatte. Sie kündigte in einem Bekennerschreiben weitere Gewaltakte an und drohte, sie werde „die Türkei zur Hölle machen“.

Die EU-Kommission äußerte große Besorgnis über die Gewalt. Es handele sich aber „nicht nur um eine Frage der Sicherheit, sondern ein sehr viel größeres Problem“, sagte die Sprecherin von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn. Die Region brauche „Frieden, wirtschaftliche Entwicklung und die tatsächliche Gewährleistung kultureller Rechte für die Kurden“. Minderheitenrechte gehören zu den „Kopenhagener Kriterien“, die EU-Beitrittskandidaten vor der Aufnahme von Beitrittsgesprächen erfüllen müssen.

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