Eskalation der Gewalt
Einmarsch von Bodentruppen in Gaza nicht ausgeschlossen

Angesichts der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen schließt Israel größere Operationen seiner Bodentruppen im dicht bevölkerten Gazastreifen nicht mehr aus. Dies betonte Verteidigungsminister Schaul Mofas am Sonntag.

HB/dpa JERUSALEM. Bisher hatte die Armee wegen der für diesen Fall befürchteten großen Zahl von Opfern auf beiden Seiten vor einer Offensive im autonomen Teil des Gazastreifens zurückgeschreckt. Nach Angaben eines hohen Offiziers im Gazastreifen sind die israelischen Truppen jederzeit bereit, in das von rund 1,3 Mill. Menschen bewohnte, nur 378 Quadratkilometer große Gebiet einzumarschieren.

Die israelische Luftwaffe hatte nach einem palästinensischen Selbstmordanschlag mit 22 Toten am 19. August in Jerusalem bei fünf Raketenangriffen auf Mitglieder der radikalen Hamas-Organisation in der Stadt Gaza zehn Palästinenser getötet. Darunter war auch ein unbeteiligter Passant. Hamas erklärte danach die Ende Juni ausgerufene Waffenruhe mit Israel für beendet und feuerte seither Dutzende Kleinraketen und Mörsergranaten auf israelische Ziele innerhalb und außerhalb des Gazastreifens ab.

Ministerpräsident Ariel Scharon gab der Armee am vergangenen Freitag Anweisung, „alles zu tun, um die Raketenangriffe zu stoppen“. Seit Beginn der jüngsten Auseinandersetzungen haben militante Aktivisten der radikalen Hamas-Organisation nach Angaben der Armee 60 Mörsergranaten und 14 „Kassam“-Kleinraketen auf israelische Ziele abgeschossen. Erstmals landete dabei eine „Kassam“ im Industriegebiet der Stadt Aschkelon, neun Kilometer nördlich des Gazastreifens, ohne allerdings Schaden anzurichten. Scharon nannte dies am Sonntag eine „ernste Eskalation“. Der palästinensische Informationsminister Nabil Amer warf Israel wiederum vor, durch die gezielten Tötungen alle Bemühungen zu untergraben, Ruhe in der Region herzustellen.

Am Sonntagmorgen wurde ein israelischer Lastwagenfahrer im Süden des Gazastreifens bei einem Feuerüberfall mittelschwer verletzt. Zuvor hatten militante Palästinenser wieder Mörsergranaten auf die jüdische Siedlung Gusch Katif abgefeuert. Hamas bekannte sich zu dem Überfall, mit dem sie die gezielte Tötung eines Hamas-Aktivisten durch die israelische Luftwaffe am Samstag rächen wollte.

Nach dem Attentat am Sonntagmorgen sagte Minister Mofas vor Journalisten: „Die Armee operiert gegenwärtig vor allem in Nablus, Dschenin und Hebron (im Westjordanland), aber wir behalten uns das Recht zu Bodenoperationen auch im (autonomen Teil des) Gazastreifens vor.“ Der ehemalige Generalstabschef beklagte, dass die Palästinenser angesichts des Machtkampfes zwischen Ministerpräsident Mahmud Abbas und Palästinenserpräsident Jassir Arafat „eine doppelte Führung“ hätten, die die militanten Elemente nicht bekämpfe.

In Ramallah gab der Regierungssprecher und Informationsminister Nabil Amer unterdessen zu, dass es zwischen Abbas und Arafat „Differenzen“ gebe. Man hoffe jedoch, den Streit bis zu einer Sondersitzung des Parlaments an diesem Donnerstag beilegen zu können. Unter massivem Druck der USA hatten die Palästinenser zuvor eine für diese Woche geplante Vertrauensabstimmung über Abbas auf unbestimmte Zeit verschoben. Abbas wird am Donnerstag einen Rechenschaftsbericht über seine ersten 100 Tage im Amt vorlegen.

Diplomatische Beobachter befürchten, dass PLO-Chef Arafat versuchen könnte, seinen Rivalen Abbas zu stürzen. Die USA und Israel warnten daraufhin vor dem Abbruch des ins Stocken geratenen Friedensprozesses, falls Abbas abgewählt werde. In Jerusalem hieß es, man werde nicht mit einer von Arafat eingesetzten „Marionetten- Regierung“ verhandeln. Arafat weigert sich, den Forderungen der USA und Israels nachzukommen und seine Befehlsgewalt über einen großen Teil der palästinensischen Sicherheitskräfte abzugeben.

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