Eskalation der Proteste
Studenten blasen in Hongkong zum Rückzug

In Hongkongs Finanzdistrikt ist es zu Zusammenstößen zwischen prodemokratischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Nun fordert eine Studentengruppe angesichts massiver Polizeigewalt das Ende der Proteste.
  • 0

HongkongBei den Demonstrationen für mehr Demokratie in Hongkong hat eine Studentengruppe angesichts massiver Polizeigewalt zum Ende der Proteste aufgerufen. Die Studentenvereinigung veröffentlichte am späten Sonntagabend im Internet eine Erklärung, in der sie ihre Anhänger vorerst zum Rückzug aufforderte.

Als Grund nannte die Organisation die Sorge, die Polizei könnte auch Gummigeschosse einsetzen, um die Demonstranten zu vertreiben. Einige folgten dem Aufruf. Gleichwohl verharrten Tausende Bürger weiterhin auf den Straßen, um ihrer Forderung nach freien Wahlen Nachdruck zu verleihen. Ein Anführer der sogenannten Occupy-Central-Bewegung erklärte, seine Mitstreiter und er würden auf keinen Fall weichen und sich notfalls festnehmen lassen.

Zuvor hatte sich die Lage in der ehemaligen britischen Kronkolonie dramatisch zugespitzt: Angesichts der immer größer werdenden Demonstrationen für freie Wahlen setzte die Polizei am Sonntag Tränengas ein, um die Menge im Regierungsviertel der Wirtschaftsmetropole auseinanderzutreiben. Einsatzkräfte gingen auch mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vor. Der Verwaltungschef von Hongkong, Leung Chun Ying, forderte die Bevölkerung auf, sich nicht an den "illegalen" Protesten zu beteiligen. Die Polizei sei bereit, entschlossen und im Rahmen der Gesetze zu handeln.

Die Polizei setzte auch Pfefferspray ein. Viele Demonstranten trugen zum Schutz davor Sport- oder Schwimmbrillen, Masken und Plastikumhänge. Fast 80 Menschen wurden bislang festgenommen, darunter auch der 17-jährige Joshua Wong, einer der Anführer der Proteste. Die Demonstranten lehnen sich gegen einen Beschluss der kommunistischen Führung Chinas auf, bei der Wahl des Chefs der Sonderverwaltungszone 2017 nur vorab ausgewählte Kandidaten zuzulassen. Damit ist eine Kandidatur von Regierungskritikern praktisch unmöglich.

Als Sonderverwaltungszone genießt Hongkong bislang weitgehende Autonomie, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet. Trotz des offiziellen Slogans "Ein Land, zwei Systeme" sind der Regierung in Peking die Proteste in Hongkong ein Dorn im Auge. Die politische Führung der Volksrepublik fürchtet, dass die Rufe nach Demokratie auch auf China überschwappen könnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Eskalation der Proteste: Studenten blasen in Hongkong zum Rückzug"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%