Eskalation im Jemen: Präsident Hadi in Saudi-Arabien angekommen

Eskalation im Jemen
Präsident Hadi in Saudi-Arabien angekommen

Mit Luftschlägen wollen Saudi-Arabien und seine Verbündeten die schiitischen Rebellen im Jemen stoppen. Der Konflikt erreicht die nächste Stufe der Eskalation. Der geflohene Präsident hat derweil Saudi-Arabien erreicht.
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SanaaJemens Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi hat sich nach der Eskalation des Konflikts in seiner Heimat vorerst ins Nachbarland Saudi-Arabien abgesetzt. Er traf dort am Donnerstag ein, wie ein saudi-arabischer Staatssender berichtete. Hadi verließ die Hafenstadt Aden, nachdem in der Nacht Saudi-Arabien mit Unterstützung anderer arabischer Staaten eine Militärintervention im Jemen gegen die Huthi-Rebellen begonnen hatte.

Hadi wird nach einem Bericht des saudi-arabischen Senders Al-Arabija am Samstag im ägyptischen Ferienort Scharm el-Scheich erwartet. Er soll dort an einem arabischen Gipfel teilnehmen.

Der schwelende Bürgerkrieg im Jemen weitet sich zum internationalen Konflikt aus. Arabische Staaten unter Führung Saudi-Arabiens starteten in der Nacht zum Donnerstag eine Militärintervention zur Unterstützung des Präsidenten Abd-Rabbu Mansur Hadi. Der Iran protestierte scharf gegen die Intervention.

Die saudiarabische Luftwaffe flog Angriffe auf Stellungen der Huthi-Milizen, die am Vortag Hadi und Regierungstruppen in der Hafenstadt Aden eingekesselt hatten. Ägypten entsandte Kriegsschiffe in die Region. Die USA und Großbritannien sicherten der vom Königreich angeführten Koalition ihre Unterstützung zu, schlossen eine Beteiligung an den Kämpfen aber aus. Das chinesische Außenministerium zeigte sich besorgt über die Eskalation.

Saudi-Arabien begründete die Einsätze mit dem Schutz der legitimen Regierung im Jemen und schloss nach Angaben aus Regierungskreisen den Einsatz von Bodentruppen nicht aus. Der Iran forderte Saudi-Arabien umgehend auf, die Angriffe sofort einzustellen. „Wir werden alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Krise im Jemen unter Kontrolle zu bringen“, warnte Irans Außenminister Mohamed Dschawad Sarif nach einer Meldung der iranischen Studenten-Nachrichtenagentur.

Ägypten entsandte nach aus Kreisen der Betreiber des Suez-Kanals vier Kriegsschiffe in den Golf von Aden. Durch die Gewässer vor Jemen wird ein Großteil der weltweiten Ölversorgung transportiert. An den Börsen sorgte die Eskalation für Verunsicherung.

Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran ringen seit langem um die Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten. Die Verbindung von politischer Macht und religiöser Zugehörigkeit zeigt sich auch im Jemen. Präsident Hadi steht für den sunnitischen Teil der Bevölkerung, die Huthi-Rebellen zählen zu den Schiiten.

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wurde nach Berichten von Anwohnern der zivile Flughafen und der Luftwaffenstützpunkt Dulaimi angriffen. Dem Huthi-Sender Al-Massira zufolge gab es Dutzende Opfer in Wohngebieten. Der TV-Sender rief medizinisches Personal auf, sich sofort in den Krankenhäusern zu melden. Auch im Grenzgebiet griffen Kampflugzeuge Huthi-Stellungen nach Angaben aus Kreisen der Miliz an. Wegen der Offensive wurden die jemenitischen Seehäfen und die Flughäfen im Süden Saudi-Arabiens geschlossen.

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Huthis warnen vor „großem Krieg“

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  • Lasset uns neue Grenzen ziehen und wir machen das einfach:

    http://static.neopresse.com/wp-content/uploads/neuer-naher-osten.jpg

  • Die Muslime werden wieder einmal aufeinander gehetzt vom super-schlauen Ami und die Juden mischen auch ein wenig mit. Sunniten (Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten, Schafiiten und Wahhabiten/Salafisten) gegen Schiiten und Aleviten und umgekehrt, Sunniten massakrieren sich gerne auch mal gegenseitig.

    Geplant ist den Iran und Saudi-Arabien, beide in kleinere Teilstaaten zu zerstückeln. Die Vollpfosten schaffen das und die Welt staunt oder freut sich.
    Im Prinzip freut sich nur die westliche Feudalkloake, dem europäischen Normalvolk werden wie immer die Kollateralschäden aufgehalst und muss noch mehr flüchtende verbrecherische Familienclans aus dem arabischen Raum alternativlos aushalten und zusehen wie daraus neue Multimillionäre innerhalb kürzester Zeit entstehen.

    Ich bin begeistert von unserer „Nächstenliebe“ oder ist es doch nur pure Dämlichkeit?!

  • Bei der letzten größeren militärischen Intervention Saudi-Arabiens im Jahr 2009 im Jemen kamen über 2000 Zivilisten ums Leben und es wurden ganze Dörfer durch das saudische Militär zerstört. Dass die Schiiten im Jemen sich an die einzige schiitische Schutzmacht Iran wenden, ist verständlich, denn für das erlittene Unrecht der Schiiten im Libanon, Saudi-Arabien und den Golf-Emiraten interessiert sich der Westen auch nicht. Saudi-Arabien und Ägypten wollen mit ihrem militärischen Aktionismus von ihren eigenen hausgemachten Problemen ablenken: die Angst vor der ISIS geht um. Einer direkten Konfrontation mit dem Iran wäre Saudi-Arabien nicht gewachsen, es müsste die USA öffentlich und Israel heimlich um Unterstützung bitten. Das wäre allerdings auch für die sunnitische Bevölkerung am Golf kaum noch zu ertragen, das saudische Königshaus würde wackeln. Die Saudis spielen mit zu hohem Einsatz, die angelsächsischen Mächte USA und Großbritannien werden sich entscheiden müssen, ob sie direkt intervenieren wollen, um ihre saudischen Vasallen vor ihren Feinden zu retten. Das Ergebnis wird mittelfristig eine weitere Stärkung extremer Islamisten im Nahen und Mittleren Osten sein.

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