Eskalation im Kaukasus
Russen rücken in Südossetien ein

Den harschen Worten folgen Taten: Nach den deutlichen Warnungen von Ministerpräsident Wladimir Putin rücken nun die ersten russischen Truppen in Südossetien ein. Im Streit um die abtrünnige Region steuern Russland und Georgien auf einen Krieg zu. Ganz ungelegen kommt die Eskalation dem Kreml aber nicht.

HB MOSKAU/TIFLIS. Eskalation im Kaukasus: Georgien hat eine Offensive zur Rückeroberung des abtrünnigen Südossetien gestartet. Nun rücken russische Truppen in die Region ein. Moskau droht Georgien mit „Vergeltung“.

Nach Angaben mehrer Agenturen sollen bei den Kämpfen mehrere hundert Zivilisten ums Leben gekommen sein. Die Meldungen beziehen sich auf Angaben der Agentur Interfax, die sich wiederum auf den Präsidenten der nicht anerkannten Region, Eduard Kokojty, beruft.

Der Einschlag von schweren Granaten und der Lärm von Kampfflugzeugen war noch mehrere Kilometer außerhalb der süd-ossetischen Stadt Zchinwali zu hören. Viele Häuser standen in Flammen. Tausende Zivilisten harrten in ihren Kellern aus.

Der russische Präsident Dmitri Medwedjew erklärte, der Einmarsch der russischen Truppen sei eine Antwort auf die Militäroffensive Georgiens. „Gemäß der Verfassung und der Gesetze bin ich als Präsident der Russischen Föderation verpflichtet, Leben und Würde der russischen Bürger zu schützen, wo auch immer sie leben“, sagte Medwedew nach Angaben der Agentur Interfax. Welche Schritte Moskau unternehmen will, ließ Medwedjew offen. Bis zu 90 Prozent der Menschen in Südossetien haben einen russischen Pass.

„Wir werden den Tod unserer Landsleute nicht ungesühnt lassen. Die Schuldigen werden gebührend bestraft“, sagte der Kremlchef. Medien hatten von vielen Toten und Verletzten in der Region berichtet. Unter Berufung auf Augenzeugen hieß es, dass sich Truppen, die von russischer Seite gekommen seien, bereits auf südossetischem Gebiet befänden.

Georgische Einheiten hätten sich daraufhin aus der 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernten südossetischen Hauptstadt Zchinwali zurückgezogen. Südossetien gehört völkerrechtlich zu Georgien. Es war unklar, ob Russland damit tatsächlich in Georgien einmarschiert ist. Georgische Truppen gaben an, zwei russische Kampfflugzeuge abgeschossen zu haben.

Zuvor hatte bereits der russische Ministerpräsident Wladimir Putin eine Antwort auf den Tod mehrerer seiner Friedenssoldaten in Südossetien angekündigt. Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) müsse angemessen auf die georgische Aggression reagieren, um weiteres Blutvergießen zu verhindern, sagte Putin.

Russland beklagte den Tod mehrerer in Süd-Ossetien eingesetzter Friedenssoldaten. Ihre Kaserne sei von Artilleriegeschossen getroffen worden, zitierte die Agentur Interfax den Kommandeur der Friedenstruppen.

Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili warf Russland indes vor, Kampfflugzeuge hätten georgische Orte und Einrichtungen bombardiert. Dabei seien Menschen verletzt worden. "Eine offene Aggression ist gegen Georgien gestartet worden", sagte Saakaschwili. Sein Land werde sein Territorium aber nicht aufgeben und auf seine Freiheit nicht verzichten.

Russland wiederum bestritt Angriffe gegen Georgien. "Das ist Unsinn", sagte ein Sprecher des Ministeriums in Moskau. "Die Information, dass russische Flugzeuge nach Georgien geflogen sind und dass ein russisches Flugzeug abgeschossen wurde, entsprechen nicht der Realität."

Die Krise schürt Kriegsängste in der für den Energietransport wichtigen Kaukasus-Region, in der Russland und der Westen um Einfluss ringen. Südossetien hatte sich wie Abchasien in den 90er Jahren von Georgien losgesagt. Ihre Unabhängigkeit ist international nicht anerkannt. Georgien wirft Russland vor, Südossetien und Abchasien annektieren zu wollen. Die Regierung in Moskau beschuldigt hingegen Georgien, sich die Gebiete gewaltsam wieder einverleiben zu wollen.

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