Eskalationsgefahr
Furcht vor neuem Angriff Nordkoreas treibt Dollar

Die Bombardierunge einer südkoreanischen Insel schürt Angst vor weiteren Zündeleien des Regimes unter Diktator Kim Jong-Il. Während ein US-Flugzeugträger in die Region unterwegs ist, reagieren die Devisenmärkte mit Ausschlägen. Nordkorea spricht bereits von einer Situation "am Rande eines Krieges".
  • 0

HB PEKING. Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea bewegt weiterhin die Märkte. Am Freitagmorgen ist der amerikanische Dollar auf ein Siebenwochenhoch zum japanischen Yen gestiegen. Auch gegenüber dem südkoreanischen Won gewann er kräftig. Die Furcht vor weiteren Auseinandersetzungen in Fernost überwog damit die Sorge um die Solidität der US-Wirtschaft. Der Dollar kletterte im Tokioter Handel auf 83,86 Yen, nachdem er gestern 83,60 gekostet hatte.

Die südkoreanische Regierung macht sich derweil für weitere Konflikte mit dem verfeindeten Nachbarstaat im Norden bereit. Präsident Lee Myung-Bak will offenbar seinen bisherigen Sicherheitsberater Lee Hee-Won noch am Freitag zum neuen Verteidigungsminister ernennen, wie die Nachrichtenagentur "Yonhap" berichtet. Der neue Verteidigungsminister gilt als fähiger Militärstratege und erfahren in der Zusammenarbeit mit dem engen Verbündeten USA. Sein Vorgänger war am Donnerstag zurückgetreten, weil der Öffentlichkeit seine Reaktion auf einen Angriff Nordkoreas vom Dienstag zu schwach erschien. Von dem neuen Mann ist nun eine härtere Gangart zu erwarten.

Die nordkoreanische Armee hatte am Dienstag eine Siedlung und militärische Stellungen Südkoreas auf einer Insel im Grenzgebiet zwischen den beiden Staaten beschossen. Die Grenzziehung in der Region ist umstritten – beide Seiten erheben Anspruch auf den fischreichen Meeresstreifen, in dem unter anderem die Insel Yeonpyeong liegt. Nordkorea behauptet, der Süden habe zuerst geschossen. Südkoreanische Soldaten hatten tatsächlich zuvor im Rahmen einer Übung scharfe Granaten abgefeuert, versichern jedoch, in Richtung Süden übers Meer geschossen zu haben. Das Gebiet um die Insel ist ständig Schauplatz von Militärübungen beider Seiten, die so ihre Präsenz aufrecht erhalten. Aus dem gleichen Grund lebten dort auch Zivilisten.

Es dauerte zehn Minuten, bis die südkoreanischen Soldaten das Feuer des Nordens erwiderten – zu lange, findet die Öffentlichkeit des Landes. Südkorea befindet sich seit 1950 mit den kommunistischen Norden im Krieg. Es kam nie zu einem Friedensschluss; derzeit herrscht nur ein Waffenstillstand. In Nordkorea stehen 1,2 Mio. Soldaten unter Waffen, im Süden 655 000. Der schwer kranke Diktator Kim Jong-Il verfügt zudem über mehrere Atombomben.

Doch Seoul kann sich der Unterstützung durch die USA sicher sein. Amerika schickt den Flugzeugträger „George Washington“ in die Region, um ein gemeinsames Manöver abzuhalten. Die viertägige Aktion war schon länger geplant, wurde nun jedoch auf Sonntag vorverlegt. Der Norden verlangt jedoch mit harschen Worten, von dem Manöver in Grenznähe abzusehen. „Wenn das die Amerikaner oder ihr Marionettenregime auch nur 0,001 Millimeter auf unser Territorium kommen, dann werden unsere revolutionären Truppen ohne jedes Zögern zum gnadenlosen Gegenschlag ausholen“, verkündete das Staatsfernsehen.

Seite 1:

Furcht vor neuem Angriff Nordkoreas treibt Dollar

Seite 2:

Kommentare zu " Eskalationsgefahr: Furcht vor neuem Angriff Nordkoreas treibt Dollar"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%