ESM-Chef Regling
Euro-Retter warnt vor Griechen-Pleite

Die finanzielle Situation Griechenlands ist prekär. Doch ESM-Chef Klaus Regling warnt: Eine Staatspleite hätte gravierende Folgen. Finanzminister Varoufakis hält Reformen aber nur ohne harte Sparauflagen für möglich.
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BerlinAngesichts der akuten Finanzkrise Griechenlands warnt der Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, vor einer möglichen Staatspleite. „Die Zeit wird knapp“, sagte Regling der „Bild“. Ohne Einigung mit den Geldgebern bekomme Griechenland kein neues Geld geliehen. Dann drohe eine Staatspleite. „Das birgt große Risiken“, sagte Regling. Auch eine nicht gezahlte Rate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wäre gefährlich. „Das hätte Auswirkungen auf andere Gläubiger wie uns.“ Regling betonte, dass der Rettungsschirm durchaus in der Lage sei, Griechenland weitere Milliarden-Hilfen auszuzahlen. Allerdings müsse sich Athen mit den Gläubigern auf eine verbindliche Reformliste einigen.

Finanzminister Yanis Varoufakis machte jedoch deutlich, dass die geplanten Reformen nur bei einem Verzicht auf harte Sparmaßnahmen durchzuziehen seien. „Worüber reden wird? Über eine unabhängige Steuerbehörde, einen dauerhaften Primärüberschuss, ein sinnvollen und ambitioniertes Privatisierungsprogramm, eine echte Reform des Rentensystems, eine Liberalisierung der Märkte für Waren und Dienstleistungen“, schrieb Varoufakis in einem am Dienstag veröffentlichten Gastbeitrag für die italienische Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“.

Diese Ziele könnten nicht erreicht werden, wenn die von den internationalen Geldgebern geforderten „unerträglich hohen“ Ziele für einen Primärüberschuss – der Staatshaushalt ohne Zinskosten – bestehen blieben. „Unsere Regierung kann und wird nicht ein Heilverfahren über fünf Jahre akzeptieren, das sich als schlimmer als die Krankheit erwiesen hat.“

Griechenland ist auf Hilfen angewiesen, da es nach wie vor weitgehend vom Finanzmarkt abgeschnitten ist. Geldgeber wie der Internationale Währungsfonds (IWF) verlangen im Gegenzug für frisches Geld Reformen.

Am Montag versicherte der griechische Regierungssprecher, das Land werde alles tun, um seine Schulden an den IWF zurückzuzahlen. Man bemühe sich um eine tragfähige Lösung mit der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem IWF und werde in Kürze eine Einigung erzielen. Innenminister Nikos Voutsis hatte in Zweifel gezogen, ob Griechenland eine Anfang Juni fällige Tilgung von 300 Millionen Euro werde leisten können.

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Kommentare zu " ESM-Chef Regling: Euro-Retter warnt vor Griechen-Pleite"

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  • Die gravierenden Folgen einer Staatspleite Griechenlands werden mit Sicherheit Herrn Reglung persönlich nicht treffen. Er verwaltet riesige Geldtöpfe, kann für keine seiner Entscheidungen belangt werden, auch wenn alles den Bach runter geht. Privat hat er bei dem Gehalt längst vorgesorgt. Er stellt sich nun hin und warnt?

  • Schon absurd. Die EU finanziert ein gesamtes Land komplett. Gab's das schon jemals? Glaube kaum. Zumindest könnte man meinen, dass man als alleiniger und dauerhafter Finanzierer Mitsprache hätte, man will ja dass das eigene Geld nicht dort in den Gulli fällt. Als Gläubiger überdies mit höchster Priorität die Rückzahlung samt Zinsen in die Wege leiten möchte. Und da wird es noch abstruser: Die EU zahlt jede Summe, verlangt aber weder Akteneinsicht, noch Stimmrecht, geschweige denn Reformen.

    Naja warum auch, unsere hochdekorierten EU-Entscheider haushalten ja nicht mit ihrem Geld, sondern einfach mit free money dass die Eurostaaten abdrücken _müssen_. Da steckt kein EU-Hals in der Schlinge. Es steckt garkein Hals in der Schlinge, da einfach jeder die Schuld von sich weist. Die Zeche zahlt die arbeitende Bevölkerung der EU, zumindest diejenigen die "doof" genug sind, über die Hälfte ihres Einkommens direkt abzudrücken.

    Da greift wieder der Aspekt, dass auch die (lies: unsere) Politiker absolut kein Interesse an echter Politik haben. Pöstchen gesichert - warum anstrengen? Warum mal dagegen sein? Seinen Parteichefs beim Lügen zuhören und klatschen, gemeinschaftliches Durchwinken von Gesetzen, die krass gegen das Parteiprinzip verstoßen... nicht elegant, nicht ehrbar, aber dennoch der geringste Widerstand auf dem Weg zur Pension.

    Das ist total krank. Unsere Politik ist genauso unnütz wie die griechische. Gewählte Ignoranten die nicht ihren Eid erfüllen, sich dafür nichtmal schämen. Same sh!t different country. Mit dem Unterschied dass der deutsche Michel brav mitspielt. Was soll er auch tun - der Gewinner einer Wahl ist noch lange nicht der zukünftige Entscheider, siehe aktuelle GroKo. Unsere Wirtschaft ist dennoch sehr stark, unsere Bürokratie unterm Strich gesehen eigentlich ziemlich tauglich. Das verhindert griechische Verhältnisse. Steuersystem, Ämtersystem, usw. hat bei uns alles Hand und Fuß, lässt sich nicht so einfach unterwandern.

    Wie soll das enden? Wann?

  • Das ist genau der Grund, warum es in Griechenland niemals vorwärts gehen wird: "Der griechische Finanzminister Varoufakis hat einen Straferlass für Schwarzgeldbesitzer angekündigt". Das Wenige an Rechtsstaatlichkeit wird von der jetzigen griechischen Regierung vollends auf den Kopf gestellt. Die sollen sich Geld leihen von wem sie wollen, bloß nicht mehr bei uns!

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