ESM schmiedet Banken und Staat zusammen
Tödliche Abhängigkeit

Der EU-Gipfel gibt Europa eine neue Ordnung: Staat und Banken verlieren jede Distanz, der Rettungsschirm ESM macht beide Welten zur Schicksalsgemeinschaft. Sie soll den Euro retten - ist aber nicht kontrollierbar.
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Der Schleier ist zerrissen. Banken und Staat - das schien für lange Zeit der Widerspruch schlechthin zu sein. Die Banken als Herz des Kapitalismus: Unermüdlich pumpen sie das Blut der Wirtschaft, das Geld, im Kreis und sorgen so für Wohlstand. Der Staat dagegen als der Blutsauger, der Geld aus dem Kreislauf herauszieht und seine Bürger arm macht. So fühlten sich die Banker als die wahren Herren der Welt, als diejenigen, die die Zusammenhänge verstehen, die für Effizienz sorgten, die den Politikern herablassend mit gutem Rat zur Seite standen und sich ansonsten deren Einmischung verbaten.

So schien die Welt wohlgeordnet zu sein: hier die Macht, dort das Geld. Auch aus Sicht der Ordnungspolitiker. Die hatten eine klare Vorstellung: Der Staat setzt den Rahmen, die Banken dürfen innerhalb dieses Rahmens tun, was sie für richtig halten: eine heile Welt, von der wir so lange träumen dürfen, wie Politiker und Banker maßhalten.

Aber diese scheinbare Ordnung ist gründlich durcheinandergeraten. Die Wahrheit lässt sich nicht länger verbergen, und der Euro-Gipfel hat sie noch einmal ganz deutlich gemacht: Staat und Banken stehen weder im Widerspruch zueinander, noch gehören sie wirklich zwei verschiedenen Welten an. In Wahrheit sind sie siamesische Zwillinge: Sie haben zwei Gesichter, aber nur einen Blutkreislauf. Und das gilt demnächst sogar auf europäischer Ebene, wenn der Rettungsfonds ESM direkt dafür verantwortlich ist, Banken am Leben zu erhalten. So leben wir in einem gigantischen System von Banken und Politik, dessen zentrale Figur zwar Bundeskanzlerin Angela Merkel ist - aber wirklich beherrschen kann es niemand.

Macht und Geld gehören zusammen, seit es Geld gibt: Die ersten Münzen wurden nach Aussage des Anthropologen David Graeber, der zentralen Figur der Protestbewegung "Occupy Wall Street", deswegen geprägt, weil die Herrscher damit ihre Soldaten bezahlen wollten. Und im späten Mittelalter kamen Bankiersfamilien wie Welser und Fugger und Monarchien wie die Habsburger gemeinsam zu Macht und Geld - um dann gemeinsam wieder beides zu verlieren: Schon damals stand eine übermäßige Verschuldung der Herrscher am Anfang des gemeinsamen Niedergangs.

Kommentare zu " ESM schmiedet Banken und Staat zusammen: Tödliche Abhängigkeit"

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  • @Hermann

    Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt; da kannst Du hingehen wohin Du willst. Wir müssen uns wehre, sonst machen sie uns zu Schafen.

  • @ tabascoman

    Sind wir gefragt worden als die HRE oder IKB oder WEST-LB oder, oder gefragt worden; ich kann mich nicht erinnern, beim besten Willen nicht; das ist das zentrale Problem, Das wir NIe gefragt werden.

  • @ OnlyHuman

    Dann gibt es Dienst nach Vorschrift, alles gaaanz, gaaanz, gaaanz langsam. Keine Grundversorgung und keine Dienstleistungen für Banker und Politiker, kein Bäcker, keine Post, kein Benzin, kein Supermarkt, keine Kinder- betreuung, etc. etc. Niemand kann uns zwingen; wenn es versucht wird hinsetzen oder weggehen, Wenn das alle im Land konsequent machen, dann bräuchten sie 85 000 000 Soldaten und das haben sie nicht, es gibt auch nicht so viele Gefängnisse, wer nichts tut verdient nichts und wer nichts verdient zahlt keine Steuern so läuft das dann; alles andere läuft dann unter Nachbarschaftshilfe und helfen tun wir doch schon immer gerne, besonders unseren Nachbarn. Alles nur eine Frage der Fantasie; ich bilde mir aber nicht ein dass das ein Spaziergang wird. Apropos Spaziergang, jetzt hätten wir noch die Möglichkeit einen gepflegten Spaziergang in Berlin zu machen und mal kräftig bei der Angie anzuklopfen um mal nachzufragen, wie weit denn unsere DIREKTE DEMOKRATIE mimt VOLKSABSTIMMUNG nach SCHWEIZER ART schon gediehen ist, damit die mal einen Zahn zulegt, wir haben schließlich nicht ewig Zeit, nicht wahr. Also mehr Alternativen sehe ich nicht, frei nach meinem Motto: Auf jeden Klotz den passenden Keil.
    Also wenn es nach mir ginge, falls das irgendjemand noch interessieren sollte; ich bevorzuge eindeutig die Alternative 2, da wesentlich gemütlicher.

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